Bye Bye, “Banshee”!

Ach ja, “Banshee”.  Eine Serie, die, ähnlich wie “Spartacus”, stolz auf ihren Status als “Schund” war, aber oft bessere Drehbücher hatte, als so manch preisgekröntes Edeldrama, ging nach vier Jahren zu Ende.

banshee_cinemax_ver7Es gab keine Softpornoszene, an der “Banshee” einfach so vorbeigehen konnte und immer wenn man dachte, den Machern würde kein übertrieben sadistischer Weg mehr einfallen, um jemanden einen blutigen Tod sterben zu lassen, wurde man manchmal noch in der selben Folge eines besseren belehrt. “Banshee” liebte den Exzess, was sich nicht nur in den Bereichen Sex und Gewalt, sondern auch in den Actionszenen zeigte. Wo sich die Pro- und Antagonisten in anderen Serien für ein paar Sekunden prügeln oder ein paar Mal aufeinander schießen, dauerten diese Szenen in “Banshee” oft mehrere Minuten. Und dann noch mal ein paar Minuten länger. Dies brachte ihr den Ruf der besten Actionserie im US-Fernsehen ein und man kann den Hype in diesem Fall durchaus glauben. So einige Actionszenen wurden zwar im wackeligen Post-Action Stil gedreht, was dann für einen Punktabzug in der B-Note sorgt, aber schon die pure Länge und Originalität dieser Momente, gleicht das wieder aus.

Wie schon erwähnt, bot “Banshee” aber auch oft überraschend gut geschriebene Handlungen und Charaktere. In der Serie ging es um einen Ex-Knacki (gespielt von Anthony Starr), dessen richtigen Namen wir nie erfahren. Als er nach 15 Jahren aus der Haft entlassen wird, macht er sich auf in die Kleinstadt Banshee, wo seine Ex-Partnerin und Freundin Ana (Ivana Milicevic) nun unter einem anderen Namen und mit einer neuen Familie wohnt. Doch kaum hat er die Stadt betreten, gerät er schon in Schwierigkeiten. Als er einen Überfall auf die Bar des Ex-Boxers Sugar (Frankie Faison) vereiteln will, sterben dabei nicht nur die beiden Gangster, sondern auch der neue Sheriff. Aus verschiedenen Gründen nimmt unser Antiheld dessen Identität an und räumt mit seinen absolut illegalen Methoden in der Stadt auf. Und das ist auch dringend nötig, denn wenn der Gangsterboss Proctor (Der dänische Superstar Ulrich Thomsen) und seine rechte Hand, die sadistische Killermaschine Burton (Matthew Rauch), keine Blutspur durch die Straßen ziehen, sind es Serienkiller, Neo Nazis, Satanisten oder die Gangster, vor denen sich “Sherrif Hood” und Ana eigentlich verstecken wollten.

Der hier ist auch gut:  Twitter Fundstück: Die “Kim Possible” Serienbibel

Klingt dämlich, ist es auch irgendwie, aber “Banshee” war es egal. Alle Beteiligten holten das Maximum an Spaß, Spannung und Emotion heraus. Es war eine Serie, die immer mit einem Augenzwinkern ablief, aber ihre Charaktere, ihre Beziehungen zueinander und deren Taten 100% ernst nahm.

banshee01
Ein ganz normaler Tag in Banshee.

Es war allerdings auch nicht alles gut. Wenn “Banshee” ein Problem hatte, dann, dass es manchmal ziemlich planlos schien. Oft wurden Nebenhandlungen und neue Charaktere mit viel Tamtam eingeführt, nur um dann kurz darauf so ganz nebenbei abgehandelt zu werden. So taucht in Staffel 2 zum Beispiel Zeljko Ivanek auf und es scheint so, als würde er wissen, dass Hood nicht der ist, der er vorgibt zu sein. Klar, wenn man einem preisgekrönten Charakterdarsteller wie ihm so eine Rolle gibt, müsste da etwas Wichtiges bei herauskommen. Bei seinem zweiten Auftritt darf er aber nur wenig relevante Exposition abnudeln und wird erschossen. Keine Ahnung, ob die Macher da “Game Of Thrones” imitieren wollten, aber wenn man dies vorhat, sollte man sich nicht die nervigste Eigenart dieser Serie zum Vorbild nehmen. Neben weiterer solcher Momente, war leider die finale Staffel, die schon vor Beginn der Dreharbeiten als solche geplant war, zum Großteil schlichtweg enttäuschend. Anstatt ein würdiges Ende vorzubereiten, drehte sich alles um einen Serienkillerplot, der (abgesehen von einem prominenten Opfer) völlig losgelöst vom Rest der Serie schien. Die finale Folge war schließlich zufriedenstellend, aber fast jedem Charakter wurde viel zu überhastet ein Ende zugeteilt.

Der hier ist auch gut:  Das Binge-Problem
banshee02
Wenn dich Job so anschaut, betrittst du die Welt der Schmerzen.

So muss man also sagen, dass die Serie leider nicht auf dem gleichen hohen Niveau endete, auf dem sie startete. Aber als Ganzes betrachtet, war “Banshee” ein verdammt wilder und spaßiger Ritt, für dessen bloße Existenz ich dankbar bin. Auch wenn natürlich so mancher Snob schon wegen der Menge an Sex und Gewalt die Nase rümpft, ist die Welt in meinen Augen ein besserer Ort, nur weil es eine Serie gibt, mit Charakteren wie Kai Proctor, dem Ex-Amish, der zum Kleinstadtgangsterboss aufstieg und eine inzestuöse Beziehung zu seiner Nichte hat oder Job, dem knallharten, ständig coole Sprüche verteilenden Transvestiten und Superhacker!

Das Ende von “Banshee” lässt genug Raum für eine Fortsetzung. Nicht, dass diese zwingend notwendig wäre. Die wichtigsten Fragen wurden schließlich alle beantwortet. Ich hätte aber auch nichts dagegen einzuwenden. Wie gesagt, ich hatte sehr viel Spaß mit der Serie.

In diesen Sinne: Tschüss, “Banshee”! Danke, für die gute und durch und durch unmoralische Unterhaltung! Ich werde Dich und Deinen sich in jeder Folge verändernden Vorspann vermissen!

Facebooktwittergoogle_plusredditpinteresttumblr

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.