Okay, dann mal Staffel 2. Und die fängt auf größtenteils überraschend hohem Niveau an.

Am Anfang von „Kontakt“ erzählt uns Mulder sehr detailliert, was die Menschheit bis jetzt unternommen hat, um Kontakt zu Außerirdischen aufzunehmen und wie die US Regierung wiederum den Stecker bei einigen dieser Projekte zog. Dann empfängt eines dieser stillgelegten Projekte aber eine Botschaft. Währenddessen sind Scully und Mulder auf sich gestellt und neuen Abteilungen zugeteilt. Da sie nicht wissen wem sie trauen können, sprechen sie auch nur noch durch Geheimbotschaften und nächtlichen Treffen in Tiefgaragen miteinander, was interessanterweise Mulder leichter zu ertragen scheint, als Scully. Als Mulder von einem vertrauten Politiker den Hinweis auf die Botschaft aus dem All bekommt, wird dieser inoffiziell nach Costa Rica entsandt, doch natürlich läuft nicht alles so einfach, wie es soll.

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Dramatische Sterbepose

„Kontakt“ ist eigentlich nur eine weitere dieser Verschwörungsfolgen, in denen unsere Helden Beweise sammeln müssen, während sie von Feinden aus den eigenen Reihen torpediert und gejagt werden, ohne, dass am Ende etwas wirklich Konsequentes herauskommt. Aber wie schon die letzte Folge, ist es auch diesmal tatsächlich spannend. In der ersten Staffel schien es oft so, als ob Scully und Mulder bei ihren Recherchen keinerlei Probleme hätten. Okay, hin und wieder kam jemand vorbei, der ihnen verboten hat weiterzumachen und dies manchmal auch auf recht ruppige Weise tat, aber wer auch immer dahinter steckte, ihnen schien es egal, ob die Beiden wirklich Mundtot (oder überhaupt tot) waren. Jetzt, wo sie aber offensichtlich unter Beobachtung stehen, fühlt sich die Gefahr echter an und auch wenn die eben erwähnten Mängel immer noch präsent sind, ist am Ende zumindest klar, dass FBI Direktor Skinner auf Mulders Seite steht.

kontakt01So richtig gut wird die Folge aber immer dann, wenn Aliens im Mittelpunkt stehen. Zum ersten Mal sehen wir in einer Rückblende die Entführung von Mulders Schwester. Sie deckt sich zwar nicht mehr mit der Version, die er uns in der Pilotfolge erzählt hat und der junge Fox sieht so gar nicht aus wie ein Kind, das später mal wie David Duchovny aussehen könnte, aber verdammt! Ich habe nur wenige Alienentführungen in Film und Fernsehen gesehen, die besser inszeniert waren! (Shoutout an den Regisseur, David Nutter!) Selbst als später in der Folge einige der effektivsten Tricks der vorherigen Szene wiederholt werden, während Mulder versucht die Aliens davon abzuhalten, in seine Hütte zu gelangen, funktionieren diese noch. Staffel 2 hat gerade mal angefangen und wir haben schon zwei der spannendsten Szenen der gesamten Serie!

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Noch besser ist aber die „Monster der Woche“ Folge „Der Parasit“, in der wir es mit einem Vieh zu tun bekommen, dass auf dem Papier dämlich klingt, in seiner vollen Pracht aber garantiert für einige Albträume unter den Zuschauern gesorgt hat: Der Plattwurmmann!

Zum ersten Mal taucht er auf einem russischen Schiff in der Nähe von New Jersey auf, als er ein armes Besatzungsmitglied ins Latrinenbecken zieht. Armer Kerl. Ertrinken in sauberem Wasser ist schon schlimm genug! Aber wenn ihr allergisch gegen Menschen seid, die vermutlich literweise Abwasser schlucken, ist diese Folge nichts für euch. Wie dem auch sei, Mulder wird von seinem langweiligen Auftrag abgezogen, freut sich aber nicht wirklich darüber, als er durch die Kanalisation waten muss, um den übel zugerichteten Kadaver des Ertrunkenen zu begutachten. Im Gegensatz zu zum ihm, kommt Scully, die Skeptikerin, die kaum eines der übernatürlichen Phänomene der ersten Staffel mit ihren eigenen Augen gesehen hat, richtig Positiv rüber und freut sich sichtlich nicht nur darauf, irgendwann wieder an den X Akten, sondern auch mit Mulder wieder zusammenzuarbeiten. Es freut mich richtig, dass man ihr so viel Persönlichkeit gibt. Sie war mir in der ersten Staffel oft etwas zu nüchtern.

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Dies ist übrigens tatsächlich die erste „Igitt“ Folge der Serie. Sie ist noch immer ziemlich harmlos, verglichen mit dem, was heute so im Fernsehen gezeigt werden darf, aber man hat sich hier sichtlich mehr getraut, bzw. durfte vermutlich mehr machen, als im vorherigen Jahr. Wir haben hier nicht nur einen schleimigen Bösewicht, sondern sehen auch unsere erste nicht wirklich hübsche Leiche, einen offenen Brustkorb bei einer Autopsie, sowie jemanden Blut und einen Wurm erbrechen. Und der Plattwurmmann, der übrigens von Darin Morgan gespielt wird, der an „Akte X“ und „Millennium“ als Autor und Regisseur tätig war, wird sehr effektiv in Szene gesetzt. Das Kostüm und die Kameraführung wirken hier keinesfalls mehr wie ein Relikt der frühen 90er Jahre. Das tat die erste Staffel zwar auch nicht immer, aber man spürt schon jetzt, dass sich alle Beteiligten höhere Maßstäbe gesetzt haben.

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Guten Tag, ich bin der Plattwurmmann, guten Tag. Guten Tag.

Sehr ungewöhnlich ist übrigens, dass dies ein Fall ist, bei dem verdammt viele Menschen das Monster sehen! Selbst Skinner muss sich über dessen Rechtsstatus mit der Staatsanwaltschaft beraten. Allerdings habe ich keine Ahnung, warum die Geschichte nicht komplett an die Öffentlichkeit gerät. Man sollte meinen, ein mutierter Mörder, der von dutzenden Augenzeugen gesehen wurde, würde die Nachrichten dieser Welt wirklich interessieren. Schade ist auch, dass der Epilog der Folge sich wieder in klischeehaften „Oh nein, die Menschen sind Schuld an der Existenz des Monsters!“ und „Kuckuck, das Monster lebt noch!“ Momenten verrennt. Das sind aber nur kleine Mängel, in einer wirklich guten Folge.

Nach diesem starken Staffelstart, bin ich sehr optimistisch, was den weiteren Verlauf der Serie angeht. Ich hatte mit den letzten beiden Folgen fast schon mehr Spaß, als mit dem Großteil der gesamten ersten Staffel!

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