Hey, der zweite montägliche Spätstart Report hintereinander! Ein gutes Omen? Und scheinbar hatte ich tatsächlich Recht mit meiner Vermutung von letzter Woche, dass „Akte X“ zum Staffelende seinen Groove gefunden hat. „Der Kokon“ und „Ein neues Nest“ sind zwei weitere gelungene Folgen.

Im (sehr beschissen synchronisierten) Opener von „Der Kokon“, versucht eine Gruppe Holzfäller möglichst schnell aus dem Wald zu kommen, bevor irgendetwas sie tötet. Dass schon vor dem Vorspann enthüllt wird, dass es sich dabei um einen Schwarm Insekten handelt, ist genau so enttäuschend, wie die Tatsache, dass es sich eben nur um einen Schwarm Insekten handelt. Aber das ist nur ein kleiner Mangel.

kokon01 Der Großteil der Folge handelt davon, wie Scully, Mulder, ein Sheriff und ein Öko-Terrorist Aktivist (Titus Welliver!) versuchen, die Dunkelheit und damit die tödlichen Insekten, die ihre Opfer in Kokons einspinnen und scheinbar über Tage hinweg aussaugen, zu vermeiden. Das ist kein so spannendes Kammerspiel wie „Eis“, aber die allgemeine Hoffnungslosigkeit der Lage ist effektiv. Zudem kommen unsere Helden diesmal wirklich nur ganz knapp mit dem Leben davon. Was allerdings natürlich wieder Fragen zum Ernährungsverhalten der Käfer aufwirft. In einer früheren Szene scheint es, als ob sie ihre Opfer innerhalb von Minuten töten können, während man am Ende offenbar noch nach Stunden gute Überlebenschancen hat.

kokon02Ein paar Fragezeichen wirft auch die Darstellung von Ökoaktivisten auf. Ist Chris Carter, der diese Folge schrieb, für oder gegen sie? Es wird sehr oft wiederholt, dass sie Schuld daran sind, dass niemand einfach so aus dem Wald fahren oder einen Hilferuf absetzen kann. Und der hier gezeigte Aktivist, wirkt wie der feuchte (Alp-)Traum eines „Kapitalistenschweines“: Er tut alles um die Natur zu schützen, aber wenn dabei unschuldige Menschen umkommen, ist es ihm egal. Es gibt einen Grund, warum jemand wie Titus Welliver ihn spielt! Und ich würde ja jetzt gerne „Negatives Klischee!“ rufen, aber wer sich z.B. mal mit einer bestimmten Aktivistengruppe unterhalten hat, die seit ein paar Jahren aus irgendwelchen Gründen auf einschlägigen Science Fiction Conventions herumlungert, weiß, dass es solche Typen leider wirklich gibt. Und schließlich findet der Mann auch sein grausames „Ups, wäre er mal etwas schlauer gewesen“ Ende. Auf der anderen Seite muss aber auch erwähnt werden, dass er trotz allem vorherigen „Mömömö, mir doch egal, dass ein Dutzend Menschen inklusive meiner Freunde tot sind und ihr die Nächsten seid“ immerhin den Anstand hat, um die restlichen Überlebenden zu retten und der Chef der Holzfällerkompanie durch skrupellose Rodung geschützter Bäume, die Käferplage erst verursacht hat. Vermutlich steckt da keine wirkliche Botschaft hinter und Carter wollte einfach nur eine spannende Geschichte, im Stile der „Die Natur schlägt zurück“ Filme aus den 70ern erzählen. Und da das Ergebnis gut ist, kann ich damit sehr gut leben.

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nest01Die nächste Folge ist „Ein neues Nest“ und oh yeah, es ist die Fortsetzung zur bisher besten Folge: „Das Nest“! Der Anfang der Folge sorgt für etwas Verwirrung. Als wir den leberfressenden Gummimann Tooms das letzte Mal sahen, schien er eine Fluchtmöglichkeit aus seiner Zelle gefunden zu haben. In der ersten Szene sehen wir, wie er diese auch tatsächlich nutzt, aber als er Besuch bekommt, ist er wieder in seiner Zelle und es wird auch im Verlauf der Folge nicht weiter darauf eingegangen. Vielleicht schleicht er sich einfach nur nachts in die Küche, um Wackelpudding zu klauen? Wer weiß das schon?

Wahrscheinlicher ist aber, dass dies nur Plan B ist. Und Plan A ist wirklich gut. Er verhält sich normal und wird als geheilt entlassen. Wobei man nicht außer Acht lassen sollte, dass Mulder mit seiner „Er ist ein 100 Jahre alter Mutant“ Ansprache, ihm unbeabsichtigt hilfreich dabei war. Doch da Mulder die Wahrheit kennt, will er Tooms nicht aus den Augen lassen. Das führt sowohl zu einer sehr witzigen Szene, in der Mulder einen Mord quasi durch einen dummen Witz verhindert, aber auch einer sehr spannenden Szene, in der Tooms sich durch die Kanalisation dem Blick seines ständigen Beobachters entzieht und sich auf die Jagd macht. Richtig gut wird es aber erst, als unser Killer so sauer wird, dass er einen weiteren, cleveren Plan ausheckt. Diesmal will er Mulder loswerden und ihn einfach nur umzubringen, wäre zu einfach.

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Die Nebenhandlung, in der Scully aufgrund der oft nicht 100% vorschriftsmäßigen Wege, mit denen sie und Mulder ihre Fälle lösen, einen Anschiss von ihrem Chef (im Beisein des Zigarettenrauchers) bekommt, ist weniger gut und natürlich löst sich das Ganze schnell im Wohlgefallen auf. Trotzdem wird darauf hingewiesen, dass sich bald vieles verändern wird. Das kann man wohl als Hinweis auf das bevorstehende Staffelfinale betrachten.

nest03„Ein neues Nest“ ist nicht ganz so spannend, wie der erste Teil der Geschichte. Man muss aber auch positiv vermerken, dass hier nicht versucht wird, diese Folge einfach zu kopieren. Es wird hier tatsächlich eine Fortsetzung, anstatt eines lahmen Remakes präsentiert. Und auf der einen Seite ist es Schade, dass das wohl der letzte Auftritt von Tooms sein wird, aber auf der anderen Seite, bleibt er einem so als das erste und vielleicht eindrucksvollste Monster der Woche im Gedächtnis, anstatt durch weitere Auftritte jeden Schrecken zu verlieren. Und wenn „Das Nest“ eine perfekte 10 ist, ist „Ein neues Nest“ immer noch eine 9. Da kann man auch über die Logiklöcher hinwegsehen. (Interessierte es am Ende irgendjemanden, dass da eine Mutantenleiche in der Rolltreppe klebte oder war nichts mehr übrig, um Mulders Theorien zu bestätigen? Und wenn dem so ist, warum hat man ihn und Scully einfach so vom Haken gelassen, nachdem man sie erst noch ermahnte, vorschriftsmäßiger bei ihren Ermittlungen vorzugehen.)

Drei Folgen noch, dann bin ich mit Staffel eins durch! Das sollte ich auch noch schaffen.

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