Eines der meistbenutzten Klischees unserer Zeit, ist es, bekannte Romane und deren Figuren in eine andere Zeit zu versetzen. Meistens ist dies die Zukunft, manchmal aber auch nur die Gegenwart, was dann in ein paar Jahrzehnten wieder die Vergangenheit sein wird. “Band Of Robbers” nimmt diesen oftmals ziemlich unnötigen erzählerischen Kniff und verbindet ihn mit einem weiteren, oftmals ebenso unnötigen erzählerischen Kniff. Tom Sawyer und Huckleberry Finn sind hier nicht nur Charaktere der Gegenwart, sondern auch erwachsen. (Wäre dies ein 80er/frühe 90er Jahre Cartoon, wären es vielleicht die “Tom & Huck Babies”.)

robbersHuck (Kyle Gallner) kommt gerade auf Bewährung aus dem Knast und will nun sein Leben wieder auf die Reihe bekommen. Leider ist sein Kindheitskumpel Tom (Adam Nee, der zusammen mit seinem Bruder Aaron auch für Drehbuch und Regie zuständig war) immer noch ein nicht allzu intelligenter Tunichtgut. Wenn auch jetzt einer mit Polizeimarke. Doch leider ist dieser Job nicht so spaßig, wie Tom es sich erhofft hat. Erstens ist er nicht besonders gut darin, zweitens wird er ständig an seinem viel erfolgreicheren Halbbruder Sid (Eric Christian Olsen aus “NCIS: LA”) gemessen. Da kommt es ihm recht, dass der kriminelle Injun Joe (Stephen Lang) angeblich einen legendären Schatz gefunden hat, den Tom und Huck seit ihrer Kindheit suchten. Und dieser Schatz soll jetzt sicher im Tresor einer Pfandleihe liegen. Der idiotensichere Plan für den Raubüberfall läuft natürlich mehr als schief und schon bald werden Tom, Huck und ihre Komplizen (Matthew Gray Gubler aus “Criminal Minds” und Stand Up Komiker Hannibal Buress) nicht nur von Injun Joe, sondern auch von Toms neuer Partnerin Becky (“Supergirl” Melissa Benoist) gejagt.

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robbers2“Band Of Robbers” ist nicht gerade der originellste Film, aber dafür ein wirklich guter. Das Tom & Huck Gimmick bringt der Geschichte allerdings nicht wirklich viel Mehrwert. Die Handlung des Films orientiert sich lose genug an den klassischen Geschichten, um mit neuen Namen als eigenständiges Ding durchzugehen. Doch ich muss auch gestehen, dass es schon sehr interessant ist, einige der altbekannten Situationen hier im neuem Kontext zu sehen.  Und ich wette, die Zuschauer, die alle Mark Twain Bücher auswendig kennen, entdecken noch ein paar Gags und Anspielungen mehr. Ich kenne die Dinger nur wie die Meisten, durch die kulturelle Osmose, entstanden durch all die vorherigen Verfilmungen, Parodien, Anspielungen, etc.

robbers3Moderne Version eines Klassikers oder nicht, “Band Of Robbers” funktioniert. Die erste Hälfte ist vielleicht etwas zu hart auf “Quirky Indie Comedy” getrimmt. Die Charaktere, die Dialoge, die Gags, vieles davon erinnert an Jareth Hess oder Wes Anderson. Das ist nicht unbedingt schlecht. Es ist zu eigenständig, um es als “gut geklaut” zu bezeichnen, aber man merkt, dass die Nee Brüder gewisse Vorbilder haben. Dazu gehören wohl auch die Coen Brüder. (Aber in aller Fairness: Wer will nicht so sein wie sie?) Eines der Markenzeichen der Coens, ist deren gewisse Rücksichtslosigkeit ihren Charakteren gegenüber. Selbst in ihren witzigsten und schrägsten Filmen, kann es zu plötzlichen Gewaltexplosionen kommen, denen selbst die sympathischsten Protagonisten nicht immer unbeschadet entfliehen. Zur Mitte des Films ändert sich der Ton von “Band Of Robbers” etwas und die witzige Komödie wird unerwartet spannend. Stephen Lang ist, wie zu erwarten, ein hervorragender Psychopath und die Rücksichtslosigkeit, mit der Injun Joe vorgeht, sorgt definitiv für einige Adrenalin pumpende Momente.

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robbers4Dass dieser tonale Wechsel von Komödie zu Thriller so flüssig ist, liegt aber auch an den sympathischen Charakteren. Wie vieles an dem Film, sind sie nicht wirklich originell, aber die Chemie zwischen den Schauspielern ist hervorragend und man nimmt ihnen ihre Freundschaft ab. Und selbst Tom Sawyer, der hier ein derart neurotischer Versager ist, dass man sich wundert, wie er es überhaupt auf die Polizeiakademie geschafft hat, hat genug Menschlichkeit, damit man sich um den guten Ausgang seines Abenteuers sorgt. Dagegen ist Huck Finn ein ziemlich passiver Charakter, der nicht wirklich viel zu tun hat, abgesehen von ein paar “voice of reason” Momenten.

robbers 3“Band Of Robbers” lässt sich seit kurzem auf Netflix finden. Interessanterweise nur auf Englisch. Ich frage mich, was hinter dieser Entscheidung steckt. Wer also seine Filme lieber auf Deutsch mag, sollte vielleicht warten, bis sich in Sachen Lokalisierung etwas neues ergibt. Alle Anderen dürfen gerne mal einen Blick riskieren. Vor allem, wer leichtherzige, aber spannende Gaunerkomödien mag. Und Mark Twain Komplettisten sowieso. Und Fans von einem Haufen Fernsehstars. Es sind keine perfekten 100 Minuten, aber es sind sehr unterhaltsame.

Anmerkung: Ich habe es tatsächlich geschafft, in dieser Kritik nicht einmal “Kung Fury” , “Adult Swim”  und meinen Hass auf diese beiden Dinge zu erwähnen.

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