Der Akte X Spätstart Report: “Wunderheiler” und “Verwandlungen”

Okay, neuer Plan: Ich versuche nun, jeden Montag einen Spätstart Report rauszuhauen. Ob es klappen wird, wird die Zeit zeigen. Wer aber Wetten abschließen möchte, ich würde auf „Nö“ setzen. Egal. Folge 18. „Wunderheiler“. Ein überraschend bodenständiges X Akten Abenteuer.

wunderheiler01Alles fängt damit an, dass der kleine Samuel durch Handauflegen das Opfer eines Hausbrands wieder ins Leben zurückholt. Einige Jahre später fordert der Sheriff einer Kleinstadt Hilfe vom FBI an. Seit Jahren versucht er Samuel und seinen Ziehvater, die sich als Wunderheiler feiern lassen, wegen Scharlatanerie oder anderer Dinge zu belangen. Da zuletzt einige von Samuels Kunden nach einer Berührung von ihm gestorben sind, scheint seine Chance gekommen zu sein, sie gleich wegen Mordes hinter Gittern zu bringen, wenn er es ihnen nachweisen kann. Und eigentlich wäre das ein ganz einfacher Fall, wenn da wohl nicht Gott persönlich seine Finger im Spiel haben würde!

wunderheiler04Wie gesagt, die Folge ist überraschend bodenständig für eine Geschichte um einen Wunderheiler mit eventuellen göttlichen Fähigkeiten. Die Frage, ob Samuel nun wirklich besondere Kräfte hat, tritt dabei aus irgendwelchen Gründen in den Hintergrund. Das Einzige, das zählt, ist wie diese Leute umgekommen sind. Und irgendwie versucht die Folge gar nicht erst uns glauben zu machen, dass die Todesfälle übernatürlich waren. Aber selbst Mulder versucht diesmal nicht wirklich Scully davon zu überzeugen, dass da übernatürliche Kräfte am Werk sind. Und das, obwohl er unerklärte Visionen seiner verschollenen Schwester hat. (Die aus irgendwelchen Gründen, wie eine kleinwüchsige Frau im Puppenkostüm aussieht.)

wunderheiler03Eigentlich fühlt sich „Wunderheiler“ wie ein Drehbuch an, das für eine andere Serie geschrieben und dann nachträglich in eine „Akte X“ Folge umgewandelt wurde. Mit etwas mehr Humor, könnte ich mir diese Geschichte fast als Teil von „Picket Fences“ vorstellen. Die Heuschreckenplage im Gerichtssaal passt da schon irgendwie rein. Und versteht das bitte nicht als negative Kritik. Es war eine wirklich unterhaltsame Folge, auch wenn ziemlich leicht zu erraten war, wer oder was dahinter steckt und der abschließende paranormale Knaller dann irgendwie lustlos drangetackert wirkt.

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verwandlungen02Trotzdem scheint die Serie zum Ende der Staffel hin ihren Groove zu finden, denn auch Folge 19, „Verwandlungen“, ist wirklich kurzweilig. Allerdings liebe ich auch Werwölfe und um genau so einen geht es in dieser Folge. Mulder und Scully werden darin zu einem Indianerreservat gerufen, als ein Farmer glaubt ein Raubtier erschossen zu haben, sich dieses aber als Mensch herausstellt. Während Scully sich fragt, warum Mulder so Feuer und Flamme ist, an einem Fall mitzuarbeiten, der entweder ein stinknormaler Mord oder ein Unfall war, findet dieser Hinweise darauf, dass der Farmer wohl tatsächlich ein Tier tötete. Oder so etwas ähnliches.

Verwandlungen01Ich muss sagen, jedes mal, wenn ein Film oder eine Serie sich zu sehr mit amerikanischen Ureinwohnern und deren Bräuchen und Mythen beschäftigt, fühle ich mich etwas unwohl. Viel zu oft scheinen die Grenzen zwischen akkurater Darstellung und „Rothaut trinken Feuerwasser von Bleichgesicht“ zu verschwimmen. Genau so ist das auch hier. Vor allem weil die Folge zu einer noch etwas „unaufgeklärteren“ Zeit entstand, fragte ich mich oft, wie viel von dem Gesehenen nun Klischee war und was nicht. Trotzdem gebe ich einen Bonuspunkt dafür, dass man hier die indianische Seite des Werwolfmythos benutzt hat, auch wenn die Folge nicht wirklich Gebrauch davon macht und das Ganze einen Hauch von „Sind der Ureinwohner und seine Traditionen nicht herrlich exotisch?“ hat.

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Vielleicht die schönste Einstellung, die je in einer 90er Jahre Fernsehserie gedreht wurde.

Aber ich will nicht zu sehr auf der unterschwelligen Rassismusseite herumhacken. Es gibt immerhin genug Momente, in denen die Folge sich die Zeit nimmt, um auf die Missstände von Seiten der US Regierung hinzuweisen. Und am Ende zählt doch nur das „Monster der Woche“. Trotz seiner ziemlich seltenen Auftritte, ist es eines der Besseren. Man sieht es immer nur kurz oder teilweise (vermutlich hat das Fernsehbudget nicht für ein wirklich gelungenes Werwolfkostüm gereicht) , aber Regie Aß David Nutter inszeniert dessen Angriffe spannend und atmosphärisch. Sehr schön ist auch die Verwandlung. Ich will hier nichts falsches erzählen, aber das könnte das erste Mal sein, dass das Fell nicht wie sonst immer einfach nur wächst, sondern erscheint, nachdem die Haut regelrecht aufplatzt. Auch wenn ich diese Variante schon aus einigen anderen Filmen kenne, kann ich mich an keinen erinnern, der vor dieser Folge erschienen ist. (Sachdienliche Hinweise für meine eventuelle Fehlinformation bitte in den Kommentaren posten.)

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Man beachte die Werwolfshilouette.

Dummerweise leidet das Ende der Folge wieder unter einigen der typischen „Akte X“ Mängeln. Sprich: Obwohl Scully quasi in der Mitte des Geschehens ist, bekommt sie wieder nur einen Bruchteil dessen mit und kann am Ende wieder ihre Skepsiskarte ziehen. Immerhin endet „Verwandlungen“ ziemlich abgeschlossen. Alle Monster sind tot und falls es doch noch welche gibt, wird darauf nicht weiter hingewiesen. Und auch wenn es natürlich keine vollständige Erklärung für dessen Existenz gibt, ist „Es waren Werwölfe!“ klar genug.

Das war es dann für diese Woche. Mal sehen, ob die Serie sich wieder in einem Aufwärtstrend befindet. Kurze Anmerkung: So wie es scheint, hat Amazon Prime im Laufe der letzten Woche „Akte X“ auf neue HD Master hochgestuft. Es überrascht mich immer wieder, wie gut selbst alte Serien bei entsprechender Behandlung aussehen können.

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