10 Jahre „Slither“ und ein Kinobesuch in Kanada

Heute vor 10 Jahren startete ein Film in den nordamerikanischen Kinos, der zwar von den Kritikern größtenteils gut angenommen wurde, aber leider verhältnismäßig wenig Geld einspielte. Doch wie es häufig so ist, vergrößerte sich im Laufe der Zeit seine Fangemeinde und heute kann man „Slither“ durchaus als modernen Klassiker bezeichnen.

„Slither“ ist das Langfilmregiedebut des ehemaligen „Troma“ Mitarbeiters James Gunn, den die Meisten wohl heute am besten als den Macher des Marvel Smash – Hits „Guardians Of The Galaxy“ kennen. Allerdings war die Horrorkomödie nicht sein erster Erfolg, außerhalb der legendären Trashschmiede. So war er zum Beispiel für die Drehbücher, der ersten beiden „Scooby Doo“ Realfilme zuständig. Was aber, selbst für mich als Fan des Cartoonhundes, viel wichtiger ist, er schrieb auch das Drehbuch für Zack Snyders einzigen, guten Film: Das „Dawn Of The Dead“ Remake!

Aber zurück zu „Slither“. Darin geht es um eine Kleinstadt, die von außerirdischen Würmern überrannt(?) wird, die in den Mund von Mensch und Tier eindringen und sie so zu zombieähnlichen Geschöpfen machen. Ja, das klingt nach dem 80er Jahre Klassiker „Die Nacht der Creeps“, was Anlass zu einer kleineren Kontroverse war. Schon beim ersten Trailer waren Horrorfans schnell dabei, auf die Ähnlichkeiten zwischen den beiden Filmen hinzuweisen. Als man James Gunn darauf ansprach, verneinte er den Film zu kennen, was im Angesicht der vielen Anspielungen auf diverse andere 80er Jahre Horrorfilme, die man in „Slither“ finden kann, etwas unglaubwürdig erscheint. Aber im Endeffekt war es egal, denn Gunns Film bot genug Eigenständigkeit, um nicht als bloße Kopie abgestempelt zu werden. Schon alleine der Lebenszyklus der Alienwürmer und derer Opfer war völlig anders, als in „Die Nacht der Creeps“. Quasi, als ob man Jason Vorhees und Michael Myers vergleichen würde. Beide sind Slasherfilmkiller mit weißen Masken, aber da hören die Ähnlichkeiten auch schon wieder auf.

Ein weiterer, aus heutiger Sicht sehr interessanter Punkt, ist die Besetzung. Neben Michael Rooker, der zwar schon damals ein viel beschäftigter Charakterdarsteller (hauptsächlich in Schurkenrollen) war, aber erst durch „The Walking Dead“ seinen tatsächlichen Durchbruch im Mainstream hatte, sind Nathan Fillion und Elizabeth Banks in den Hauptrollen zu sehen. Fillion war damals hauptsächlich durch die, in den USA recht erfolgreiche Sitcom „Ein Trio zum anbeißen“ („Two Guys, A Girl & A Pizza Place“) und die schnell abgesetzte Joss Whedon Serie „Firefly“ bekannt. Mittlerweile ist er durch „Castle“ natürlich ein erfolgreicher Fernsehstar. Und Elizabeth Banks ist heute dank Rollen in diversen Judd Apatow Produktionen, den beiden „Pitch Perfect“ Filmen oder der „Hunger Games“ Reihe, eine der erfolgreichsten, weiblichen (hauptsächlich Comedy-) Stars.

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Aber der Hauptgrund, warum „Slither“ nach seinem Kinoflop (er spielte weltweit knapp 13 Millionen US Dollar, bei einem Budget von 15 ein) so ein langes Leben hatte, ist, dass er wirklich gut ist. Es ist eine Horrorkomödie, die eindeutig mehr auf der Horrorseite steht. Es gibt zwar viele Gags, doch die Monster sind eine ernsthafte Bedrohung, auch wenn die Situation oft absurde Gestalt annimmt und Lacher sich in Schrecken und wieder zurückverwandeln. Trotzdem wird es nie so schrecklich oder düster, dass man nicht darüber lachen könnte. Und am wichtigsten ist vielleicht, dass trotz all der kleinen Insidergags und Hommagen, „Slither“ sein eigenes Ding durchzieht und eine gewisse Einzigartigkeit besitzt. In der Post-Tarantino Welt, in der aufstrebenden Filmemachern oft nichts besseres einfällt, als die Filme zu kopieren, die sie sich in ihrer Jugend gerne angesehen haben, ist „Slither“ einfach „Slither“.

Leider muss ich zu meiner Schande eingestehen, dass ich den Film erst auf DVD gesehen hatte, obwohl ich die Chance auf einen außergewöhnlichen Kinobesuch gehabt hätte. Ich befand mich zu diesem Zeitpunkt in Kanada. Ein großartiges Land, das ich über alles liebe. Die kanadischen Kritiker waren entzückt von dem Film. (Noch ein Pluspunkt für dieses Land!) Nur leider lief er nicht in dem kleinen Örtchen, in dem ich mich zu diesem Zeitpunkt aufhielt. Die einzigen Filme, die das Kino anbot, waren das (übrigens ziemlich gute) Schlittenhunddrama „Antarctica“, die Matthew McConaughey/Sarah Jessica Parker RomCom „Zum ausziehen verführt“ und „Ice Age 2“, der am selben Tag wie „Slither“ startete. (Übrigens genau wie „Basic Instinct 2“.)

Ich bin ein Fan der „Ice Age“ Reihe. Der erste Teil wird leider oft mit diesen „Furzende Tiere plappern Filmzitate nach“ Cartoons in einen Topf geworfen, dabei ist er ein sympathischer und wirklich gut gemachter Familienfilm. Teil 3 ist eine visuell atemberaubende Actionkomödie, die keine Sekunde langweilig ist. Gut, Teil 4 driftet schon ins Land der schlechten Fanfiction ab und dem Trailer nach scheint Teil 5 nicht wirklich viel besser zu sein. Und Teil 2? Naja, er ist schwach, aber nicht wirklich schlecht. Eher eine Ansammlung kurzer, fast zusammenhangsloser Episoden. Es ist eindeutig, dass die Macher hier nicht mehr versucht haben, an den Anspruch des ersten Teils heranzukommen, doch immerhin ist er unterhaltsam. Aber das wirklich Interessante war die Reaktion des kanadischen Publikums!

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Deutsche Kinogänger sind ruhig. Gut, in den letzten 10-15 Jahren stieg die Zahl der rücksichtslosen Handynutzer im Kinosaal deutlich an, aber was sicht- und hörbare Reaktionen auf den laufenden Film angeht, beschränken sich diese normalerweise auf „lachen in witzigen Momenten“ und „sich erschrecken, wenn plötzlich eine Katze auf die Mülltonne springt“. Nicht so das kanadische „Ice Age 2“ Publikum! Die haben diesen Film zelebriert! Es gab Applaus! Mehrfach! Nicht nur, als der Abspann startete, sondern auch während des Film! Es herrschte eine Stimmung wie auf der Fedcon und das nur für einen mittelmäßigen Trickfilm!

Das machte es nur noch schlimmer für mich, dass ich „Slither“ während meines Aufenthalts in Kanada verpasste. Ich habe das darauffolgende Wochenende in Toronto verbracht und ich wette, eine Wochenendvorstellung von diesem Film, in dieser Stadt, wäre die Party meines Lebens geworden. Leider habe ich dafür nicht die Zeit gefunden.

Wie dem auch sei, selbst mit nur einem Zuschauer macht „Slither“ wirklich Spaß. Es ist kaum zu glauben, dass der Film nun tatsächlich 10 Jahre auf dem Buckel hat. Und so gut er auch war, wer hätte damals gedacht, dass James Gunn ein Jahrzehnt später plötzlich der Macher eines der größten Popkulturphänomene unserer Zeit sein würde? Zeit ist ein merkwürdiges Gebilde. Aber bevor ich jetzt darüber philosophiere, wie das Konzept der Zeit mein Gehirn zum braten bringt, rate ich euch einfach nur: Schaut euch „Slither“ an.

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