Ich versuche wirklich, nicht zu hart zu sein. Die Folgen, die ich mir gerade ansehe, gehören zur ersten Staffel einer über 20 Jahre alten Serie. Natürlich sind sie nicht perfekt und wirken etwas altbacken. Um ehrlich zu sein, finde ich gerade diese Altbackenheit an vielen anderen Filmen und Serien sehr charmant. „Akte X“ macht es mir aber wirklich schwer, weil zu viele Folgen schlichtweg langweilig sind. So wie z. B. „Ewige Jugend“.

Darin taucht ein alter Bekannter von Mulder wieder auf. Eigentlich zwei. Der Eine ist sein alter Vorgesetzter und ihm freundlich gesinnt, der Andere ist der erste Kriminelle, den Mulder zur Strecke brachte. Natürlich lief dieses nicht wirklich reibungslos und Mulder macht sich bis heute noch Vorwürfe. Zudem sollte der Killer eigentlich schon vor Jahren im Gefängnis verstorben sein! Trotzdem läuft er jetzt scheinbar durch die Gegend, tötet Menschen, bedroht Mulders Freunde und Kollegen und verspottet ihn mit kleinen Nachrichten, die er am Tatort hinterlässt.

„Ewige Jugend“ ist eine so durchschnittliche wie sinnfreie „tot geglaubter Schurke nimmt Rache“ Story, wie wir sie schon tausendmal anderswo gesehen haben. Da hilft auch der lieblos drangetackerte Science Fiction Faktor, in dem es um einen Wissenschaftler geht, der den Alterungsprozess bekämpft und Gliedmaßen nachwachsen lassen kann. Ohnehin scheint es keinen wirklichen Grund zu geben, warum der vermeintlich tote Killer als jüngere Version seiner selbst herumläuft, außer natürlich, damit Mulder ihn nicht sofort erkennt. Und noch weniger Grund gibt es für seine komische Echsenhand. Vielleicht sollte es gruselig wirken, aber man sieht sie nur am Ende der Folge einmal richtig.

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Trotzdem gibt es auch hier den einen oder anderen gelungenen Moment. Das unbestrittene Highlight ist hierbei eine Szene, in der Scully glaubt, dass sich jemand in ihrem Haus befindet. Der MVP ist hierbei aber Mark Snow, der plötzlich eine unglaublich dramatische und spannungserzeugende Musik aus dem Hut zaubert, bei der man Angst bekommt, dass unsere Heldin plötzlich vom Teufel persönlich angegriffen wird.

Aber im Großen und Ganzen ist „Ewige Jugend“ ein Füller der langweiligsten Sorte.

Einen Tick besser ist „Täuschungsmanöver“. Okay, es ist auch nicht gerade eine Hammerepisode, aber eine der spannenderen UFO-Folgen. Darin wird ein Fernfahrer nachts auf einer Landstraße von Aliens überfallen. Als Mulder und Scully ermitteln, wird ihnen schnell klar, dass da wohl wieder etwas vertuscht werden soll. Bald schon müssen sich die beiden, aber vor allem Mulder fragen, wem sie eigentlich trauen können.

In dieser Folge treten die übernatürlichen Phänomene für einen knackigen Paranoiathriller in den Hintergrund. Unsere Helden verbringen hier ganz viel Zeit damit, sich zu fragen, wer sie warum anlügt und ob sie gerade ausspioniert werden. Und es funktioniert wirklich gut! Jeder Schritt vorwärts wird zu einem rückwärts und jeder Schritt rückwärts führt wiederum vorwärts. Selbst das Ende ist schlüssiger als in den meisten vorherigen Folgen!

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Was ich sehr interessant fand, war, dass man Mulder in einer Folge, die sich mal wieder mit seiner Obsession beschäftigt, verschiedene, kleine, auflockernde Momente gegeben hat. So schläft er etwa in einer Szene in einer Pose auf Scullys Beifahrersitz, die eher an Homer Simpson erinnert. Oder in einer anderen Szene versucht er über eine Absperrung zu springen und legt sich dabei derbe auf die Schnauze. Ausserdem treten in „Täuschungsmanöver“ auch zum ersten mal die „Lone Gunmen“ auf und die zwei Momente mit ihnen, machen die Folge gleich noch unterhaltsamer.

Trotzdem muss aber auch hier gesagt werden, dass die Folge ein Stück spannender sein könnte. Dass „die Regierung“ Geheimnisse hat und im Endeffekt selbst die scheinbar guten Menschen, die in „die Verschwörung“ eingeweiht sind, nicht immer die Wahrheit sagen, ist nicht wirklich ein neues Konzept und war auch schon damals ein Klischee. Auch warum Mulder und Scully zwar ständig überwacht, aber trotz all der Dinge, die sie herausfinden, nie von „denen“ zum Schweigen gebracht werden, bleibt ein Geheimnis. Aber das sind eigentlich nur Kleinigkeiten.

„Täuschungsmanöver“ ist, gemessen am bisherigen Unterhaltungswert der ersten Staffel, sehenswert. Keine Super Top Folge, aber erstmals bin ich der Meinung, dass an der UFO Verschwörung durchaus etwas Interessantes dran sein könnte.

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