Konformisten Trek: Angriff der Spießer

Als Erstes: Sorry für die lange Pause. Aber das kennt ihr ja schon.(Auch wenn eh kaum einer das hier liest.) Als Zweites: Ihr wisst ja sicher, dass eine neue „Star Trek“ Serie unterwegs ist. Viele Fakten gibt es darüber noch nicht, aber dass z. B. Bryan Fuller als Showrunner und Nicholas Meyer als Autor dabei sind, stimmt optimistisch. Wie wir alle, habe ich schon öfters darüber nachgedacht, was ich in einer neuen „Trek“ Serie gerne haben möchte. Dinge, die noch nie zuvor da waren. Und es gibt da tatsächlich etwas. Oder jemanden. Eine bestimmte Sorte von Charakter, die ich absolut vermisse.

Die Welt von „Star Trek“, ist eine eigentlich ganz schöne. Gut, es gibt hundert Milliarden Möglichkeiten, ein grausames Schicksal zu erleiden. Man wird durch ein Loch in der Raumschiffhülle ins Weltall geblasen, fängt sich irgendeinen Weltraumvirus ein, wird Borgifiziert, von irgendwelchen Weltraumphänomenen oder angeblich höher entwickelten Lebewesen, die die menschliche Rasse erforschen wollen, umgebracht, wird bei einem Transporterunfall verstümmelt oder zu einem Klumpen zusammengeschmolzen oder vielleicht hat auch einfach nur das Holodeck mal wieder eine Fehlfunktion. Doch abgesehen davon: Es gibt keine Armut. Diskriminierung, sei es wegen Herkunft, Geschlecht oder Religion, ist größtenteils nicht-existent. (Natürlich gibt es hier und da immer noch uneinsichtige Arschlöcher, aber die Wahrscheinlichkeit, dass man wegen seiner Hautfarbe zusammengeschlagen oder nicht befördert wird, ist mehr als gering.)

Trotzdem scheint mir die Sternenflotte ein bisschen… spießig, angepasst und auch etwas elitär zu sein. Mir stellt sich da die Frage: Wo sind die Individualisten?

Wo sind die Individualisten?

Ich verstehe ja, dass wir es hier mit einer Militärorganisation zu tun haben, bei der Disziplin schon aus lebenswichtigen Gründen notwendig ist. Auch, dass man als Offizier der Sternenflotte nicht nur die Menschheit, sondern gleich die gesamte Föderation repräsentiert und man dementsprechend einen guten, ersten Eindruck hinterlassen will. Doch gibt es einen besseren Weg, um dem Universum zu zeigen, dass man die Vorurteile der Vergangenheit hinter sich gelassen hat und jeden so akzeptiert, wie er oder sie ist, indem man den Typen mit dem Nasenring und den lila Haaren an die Steuerkonsole lässt?

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Ihr müsst zugeben, die Sternenflotte hat durchaus einen gewissen Mangel an solchen Menschen. Worf ist vielleicht der einzige langhaarige Mann, den ich je auf einem Raumschiff der Föderation gesehen habe. Und das wohl auch nur, weil er Klingone ist und Klingonen eben lange Haare haben. An der Körperschmuckfront haben wir nur Chakotay, dessen Gesichtstattoo ein Teil seiner Herkunft und seines Glaubens ist.

Die Geschichten, wie „Star Trek“ viele Menschen unterschiedlicher Herkunft inspirierte, indem es ihnen eine Zukunft aufzeigte, in der sie keine Bürger zweiter Klasse waren und die friedliche (Notwehr und Selbstverteidigung ausgenommen) Erforschung des Weltalls und Lösung von Konflikten im Vordergrund stand, sind legendär. Obwohl auch hier natürlich die Serie nicht immer allzu progressiv war. (Wo sind die schwulen Paare? Gab es jemals einen Deutschen in der Sternenflotte?) Aber wo sind die Durchschnittstypen? Naja, wir haben Barclay, das brillante, aber schüchterne und neurotische Technikgenie. Mehr als einmal hat er seine Ängste und inneren Blockaden überwunden, um den Tag zu retten. Kein schlechtes Beispiel, aber auch das Maximum am Anderssein, das wir in „Star Trek“ je serviert bekamen.

Trotzdem, die Trekker, die sich Tag für Tag dumme Kommentare von angeblich „normalen“ und „aufgeklärten“ Mitmenschen anhören müssen, weil sie einen Haufen Tätowierungen und/oder Piercings, lange oder knallbunte Haare haben und sich vielleicht auch noch individuell kleiden, haben niemanden, der sie inspirieren könnte. Auch in anderen Filmen oder Serien sind solche positiven Vorbilder Mangelware. Da ist die „NCIS“ Labortechnikerin Abby, doch auch wenn sie ein Vollprofi ist, ein riesiges Herz hat und ich sie sehr gerne mag, grenzt ihre überdreht schrullige Art oftmals an Karikaturniveau. Die restlichen „Freaks“ werden meistens immer als solche dargestellt. Als weltfremde, oft arbeitslose und nicht gerade intelligente Versager. Das ist aber oft von der Wahrheit sehr weit entfernt. Nur weil sich jemand 20 Ringe ins Gesicht stechen lässt, ist er nicht dumm oder faul. Und so jemand ist schon gar kein Psychokiller. (Ein weiteres Vorurteil, mit dem diese Bevölkerungsgruppe zu kämpfen hat.) Wenn ich eines vom Umgang mit solchen Menschen gelernt habe, dann dass die, die am wildesten aussehen, die höflichsten und am härtesten arbeitenden sind. Natürlich gibt es auch hier faule Äpfel, aber statistisch gesehen, gibt es wohl mehr unter den sogenannten „normalen Menschen“.

Nur weil sich jemand 20 Ringe ins Gesicht stechen lässt, ist er nicht dumm oder faul.

Das bringt uns zurück zu dem Mangel an solchen Menschen in der Welt von „Star Trek“. Eine eigentlich positive Welt, in der jeder so akzeptiert wird, wie er ist. Aber warum hat da niemand grüne Haare, lange ZZ Top-esque Rauschebärte, zehnfach gepiercte Augenbrauen und Ganzkörpertattoos? Ist der Preis für die Weiterentwicklung zu einer vorurteilsfreien Rasse, den die Menschheit zahlen musste, komplette Konformität? Wir sahen nicht viele Menschen außerhalb der Sternenflotte in den vergangenen 50 Jahren „Star Trek“. Es besteht die Möglichkeit, dass die Erde und der Rest des Universums voll von solchen Menschen ist. Aber warum scheint keiner von denen in der Sternenflotte zu sein? Es kann nicht daran liegen, dass extreme Haarschnitte und Körperschmuck ein komplettes Desinteresse an der Erforschung und Beschützung des Universums verursachen. Wahrscheinlicher: Wer so aussieht, wird an der Sternenflottenakademie nicht aufgenommen, es sei denn, er lässt sich die sichtbaren Tattoos wegmachen und kommt mit seiner natürlichen Haarfarbe und einer adretten Frisur wieder. Das ist nicht gerade sehr fortschrittlich und tolerant.

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Was auch immer der fiktive Grund dieser fiktiven Gesellschaft ist, um anders aussehende Menschen auszuschließen, ich hoffe, dass Bryan Fuller visionär genug ist, um dies zu ändern. Es wäre schade, wenn das beste Beispiel an Weltoffenheit, dass das „Star Trek“ Universum zu bieten hat, ein Captain wäre, der bei klassischer Musik an die Beastie Boys, anstatt Mozart und Beethoven denkt.

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