„10 Cloverfield Lane“ und was ich hoffe, dass es NICHT ist

Genau so unerwartet, wie damals „Cloverfield“, erschien plötzlich die Fortsetzung „10 Cloverfield Lane“ auf der Bildfläche. Niemand wusste, dass einer der beiden Filme existierte, bis plötzlich die Trailer auftauchten. Auch wenn die Frage, was hinter „Lane“ steckt, bis jetzt kein Popkulturphänomen ist, wie damals die Jagd um Antworten bei seinem Vorgänger, ist trotzdem fröhliches Rätselraten angesagt. Wobei die größte Frage für mich persönlich, ein echter Dealbreaker ist: Gibt es in diesem Film ein Monster oder nur eine Metapher?

Schauen wir uns mal die Trailer an:

Dieser hier deutet an, dass irgendetwas Schreckliches da draußen lauert. Einen Schritt weiter geht der Super Bowl Spot:

Ein grelles Licht, ein animalischer Schrei, kommt das Cloverfield Monster zurück? Das Hauptproblem, das ich mit den Trailern habe, ist der Slogan „Monsters come in many forms“, sowie der Fokus darauf, dass John Goodman wohl mit allen Mitteln versucht, seine „Gäste“ im Bunker zu behalten. Alles deutet darauf hin, dass der Film auf eines meiner meistgehassten Klischees hinausläuft: „Menschen sind die ECHTEN Monster!“

Ja, ich sehe mir die Nachrichten an. Menschen tun schlimme Dinge. Nicht alle Menschen. Die Meisten sind ganz nett oder zumindest keine Mörder, Vergewaltiger oder sonstige Psychopathen. Auch wenn zynische Philosophen und pseudocoole Teenager immer so tun, als würden wir uns ununterbrochen selbst zerstören, bis jetzt haben wir ganz gut durchgehalten. Wenn wir wirklich so böse wären, wie man immer behauptet, würde niemand von uns das Haus verlassen können, ohne innerhalb von Minuten ermordet, verstümmelt oder gefoltert zu werden. Wie gesagt, Menschen tun schlimme Dinge, aber selbst in Nazideutschland, dem Paradebeispiel für „Menschen sind böse“, gab es welche, die das Richtige taten. (Zum Beispiel die Einwohner der Straße, in der sich meine Großeltern vor den Nazis versteckten. Alle wussten es, niemand hat gepetzt.)

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Trotzdem wird „Menschen sind die ECHTEN Monster!“ immer wieder gerne in Horrorfilmen verwendet. Versteht mich nicht falsch. Ich habe nichts gegen Filme, die die schlimmen Dinge aufzeigen, die Menschen tun. Wie gesagt, einige Menschen tun tatsächlich unaussprechlich grausame Dinge, die selbst den abgebrühtesten Horrorfilmer abschrecken würden. Das Problem ist nur, sobald ihr mir einen MONSTERfilm versprecht, dann aber plötzlich euren Zeigefinger erhebt und sagt: „Siehst du meinen cleveren Sozialkommentar? Alle hatten Angst vor dem schleimigen, Gehirne fressenden Tentakelmonster mit acht Köpfen, aber dann waren es die Menschen selber, die noch viiiiiiiel schlimmer waren!“ habt ihr mich verloren. Gibt es auch nur irgendjemanden, der den letzten Akt von „28 Days Later“ besser fand, als das, was davor kam? Oder der Subplot in „The Mist“, über die religiöse Fanatikerin, die mit Leichtigkeit mal eben alle Anwesenden in einen sabbernden Lynchmob verwandelt?

Ich sollte noch mal klarstellen, dass Filme mit Menschen als Bösewichtern durchaus ihre Daseinsberechtigung haben. Nicht nur im Dramabereich. Wenn ein Film wie „Hostel“ kommt, in dem von Anfang an klargestellt wird, dass die Bösen einer oder mehrere Menschen sind, geht das klar. Auch wenn die „Sozialkritik“ in solchen Filmen nicht weniger nach Faulheit riecht. Aber immerhin legt man dort die Karten direkt auf den Tisch. Und in aller Fairness, oft wollen die Macher auch gar nicht sozialkritisch sein, sondern einfach nur einen spannenden (oder zumindest blutigen) Film abliefern. Trotzdem, Menschen in seinem Film schlimme Dinge tun zu lassen und dann dem Zuschauer ins Gesicht zu schreien: „Sind Menschen nicht schrecklich!?“ ist eine viel zu simple und abgegriffene Aussage.

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Genau wie die meisten von euch, mag ich es nicht, wenn man mir zu viel über einen Film verrät, aber „10 Cloverfield Lane“ möchte ich in einem gewissen Maße schon gespoilert haben. Ich möchte einfach nicht schon wieder mit der Aussicht auf ein „Creature Feature“ ins Kino (oder die Videothek) gelockt werden und von einem Regisseur, der sich zu fein für pures Unterhaltungskino war und glaubt, einen „Horrorfilm“ mit einem abgegriffenen, offensichtlichen und Klischeebeladenen „Twist“ zu versehen, würde sein Werk zu etwas Besonderem machen, genervt zu werden.

Aber auf der anderen Seite: Hey, vielleicht ist der Film ja ganz gut! John Goodman ist dabei! Und das Drehbuch ist vielleicht nicht so dumm, wie es scheint. Vielleicht liefert er ausreichend Spannung. Und vielleicht haben die Macher, falls mein Verdacht zutrifft, einen cleveren Weg gefunden, die Botschaft gut umzusetzen. Wir werden schon bald sehen, was dabei herauskam. Hoffentlich etwas Gutes.

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