The Venture Bros: Das „Breaking Bad“ der animierten Comedyserien

Entschuldigt mein Herumgehipstere, aber ich möchte nun über eine brillante Serie reden, von der ihr vielleicht noch nie gehört habt: „The Venture Bros“!

Auf den ersten Blick, handelt es sich hierbei nur um einen weiteren Adult Swim Cartoon. Jede Menge lustige Gewalt, ein paar Sexwitze und ein ganzer Haufen Anspielungen auf diverse Popkulturikonen. Der Unterschied ist aber nicht nur, dass die Gags viel witziger und cleverer sind als in „Robot Chicken“ und Co, sondern auch, dass sich das Serienuniversum ziemlich schnell als tiefgründiger entpuppt, als es anfangs scheint. Aber fangen wir mal von vorne an.

Die titelgebenden Venture Bros sind Dean und Hank Venture, die leicht unterbelichteten Teenager Söhne von Dr. Thaddeus „Rusty“ Venture. Dieser ist wiederum der Sohn des verstorbenen Dr. Jonas Venture, dem brillantesten „Super Scientist“, den die Welt je gesehen hat. Leider konnte Rusty keine der hochgesteckten Erwartungen an ihn erfüllen. Er ist als Wissenschaftler ein Versager, als Vater gerade gut genug um nicht als Rabenvater durchzugehen und allgemein kann man ihn nicht gerade als leuchtendes Vorbild für irgendetwas bezeichnen.

Seine beiden Söhne sind…nennen wir es mal „simpel gestrickt“. Sie wurden wie ihr Vater, schon im jüngsten Alter auf irgendwelche globalen Abenteuer mit Monstern und Superschurken mitgeschleift und hatten mit der „normalen“ Welt kaum Kontakt. (Ihre Bildung haben sie von „Lernbetten“, die sie im Schlaf unterrichten.) Im Gegensatz zu Rusty, hat dieses Leben kaum seelische Narben bei ihnen hinterlassen, aber ihre Naivität bringt sie mehr als einmal in Schwierigkeiten jeglicher Art. Ihr Familienbodyguard Brock ist der Mann, der sie da rausholt. Und diese Ein-Mann Kampfmaschine, lässt Rambo wie ein Glücksbärchie aussehen.

Ursprünglich wurde die Serie von den beiden Masterminds Jackson Publick und Doc Hammer als Parodie auf „Boy Adventurer“ und Kinderdetektivserien wie „Hardy Boys“, „Jonny Quest“ oder „Scooby Doo“ konzipiert. Doch auch wenn es gerade in den ersten Staffeln öfter darum geht, dass die Ventures im Dschungel, im All, auf dem Grund des Meeres oder wo man auch immer ein Abenteuer erleben kann, in genau so eines geraten, welches dann schnell unglaublich absurde Wendungen nimmt, wurde aus „The Venture Bros“ schnell mehr als eine simple Popkulturparodie.

Es ist ganz normal, dass in solchen Serien immer mehr und mehr Nebencharaktere auftauchen. Denkt mal an „Die Simpsons“. Doch was „The Venture Bros“ den gelben Springfieldern und so ziemlich jeder anderen animierten Comedyserie, sowie der einen oder anderen preisgekrönten live-action Dramaserie voraus hat, ist die Tiefe, die diese Charaktere haben. Gerade im Comedybereich habe ich kein Problem damit, wenn die Protagonisten eine gewisse Eindimensionalität besitzen. Um ehrlich zu sein, finde ich es sogar richtig ärgerlich, wenn man versucht, eindimensionalen Gagmaschinen eine falsche Tiefe aufzuzwingen. (Siehe die Dutzenden „Homer und Marge lieben sich für immer“ oder „Bart hat ein schlechtes Gewissen“ Folgen, die mich schon in den Anfangszeiten der Serie immer genervt haben.) Doch bei „The Venture Bros“ bekommen selbst kleine Nebencharaktere oft eine detaillierte Backstory verpasst und jeder entwickelt sich in irgendeiner Form weiter. Denn wenn es eines gibt, das diese Serie nie tun wird, dann ist es den Status Quo aufrechtzuerhalten.

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Freunde werden zu Feinden und umgekehrt, neue Allianzen werden geschlossen, alte abgebrochen, Charaktere, die in nur einer Folge für einen kurzen Gag herhalten mussten, werden später plötzlich zu wichtigen Schlüsselfiguren, Motivationen werden näher beleuchtet und selbst die leicht unterbelichteten Venture Brüder finden im Laufe der Zeit ihren Platz in der Welt. Oder zumindest versuchen sie es. Und das Beste ist: All das passiert ohne wirklich übergreifende Handlung. Natürlich gibt es viele Episoden- und vor allem staffelübergreifende Handlungsstränge, aber nie im Serialstil. Alle Folgen sind in sich abgeschlossene Einzelabenteuer, nur dass viele Folgen auf vorherigen Ereignissen aufbauen und einzelne Elemente in späteren Folgen wieder aufgegriffen werden. Die Serie hat eine Kontinuität, von der sich „Game Of Thrones“ und Co noch eine Scheibe abschneiden können, aber ohne dabei „Die eine Geschichte“ zu erzählen. Es gibt kein bestimmtes Ziel, auf das alle Pro- und Antagonisten zusteuern. Außer vielleicht, endlich ein glückliches Leben zu führen. Doch das bedeutet nicht, dass es die Sorte Happy End sein wird, die sie und wir erwarten.

Eine der bemerkenswertesten Dinge an dieser Serie ist aber, dass nach Angaben der Macher keiner der Handlungsbögen wirklich geplant war! Mehr als einmal haben Publick und Hammer darauf hingewiesen, dass sie jeden Twist und jede Charakterentwicklung mal ebenso spontan erfunden haben. Wenn ich mal an dieser Stelle auf etwas hinweisen darf: Wie oft haben Serien, bei denen die Macher den Fans immer wieder versicherten, dass sie einen Plan hätten, euch am Ende mit immer wirreren Plots und einem lahmen Ende (wenn es überhaupt eines gab) enttäuscht? Doch nicht nur „The Venture Bros“, sondern auch „Breaking Bad“ wurde offiziell „on the fly“ geschrieben. Vielleicht ist ein großes Maß an Spontanität gar nicht mal so eine üble Idee, wenn es um das Geschichtenerzählen geht.

Aber aller Charaktertiefe und Geschichtenerzählungsqualität zum Trotz, ist vielleicht das wichtigste Merkmal der Serie, dass sie einfach nur verdammt witzig ist! Hammer und Publick schaffen es selbst aus Plots, die auf dem Papier schon kilometerweit nach drittklassigem „Robot Chicken“ Sketch riechen (zum Beispiel eine Folge über einen „Batman“ parodierenden Superhelden, der sich so sehr um seine Boywonder Sidekicks kümmert, dass er bei allem was er sagt oder tut, wie ein Pädophiler rüberkommt), in unglaubliche Lachbomben und intelligente Drehbücher zu verwandeln. Und das, obwohl die Serie nicht ohne die gefürchteten Popkulturreferenzen auskommt! Es gibt kaum eine Figur, die nicht irgendwie auf einem klassischen Comic- oder Cartooncharakter basiert. Hank zieht sich an wie Fred aus „Scooby Doo“, die Stimme des Monarchen klingt wie die von Skeletor, aus der klassischen „Masters Of The Universe“ Zeichentrickserie, der Superschurke Phantom Limb trägt einen Anzug wie „The Phantom“, der Magier Dr Orpheus ist eindeutig an „Dr Strange“ angelehnt und sein Kampfgefährte, der Vampir-, Entschuldigung, Blackulajäger Jefferson Twilight, soll nicht nur eine Anspielung auf „Blade“ sein, er sieht der Version des Daywalkers, die in den 70er Jahre Comics zu sehen war, auch verdammt ähnlich.

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Doch keine Sorge, hierbei handelt es sich nicht nur um hohles: „Hey, erinnert ihr euch an Figur XY aus Cartoon und/oder Comic Z? Ist das nicht abgefahren!?“, wie es mittlerweile zum traurigen Standard für Nerd- und Geekhumor geworden ist. Wie erwähnt haben die Welt von „The Venture Bros“ und die Charaktere, die darin leben, eine unerwartete Tiefe. Es ist der böse Zwilling des klassischen Comicuniversums. Eine Welt, in der Superwissenschaftler, die Laserkanonen und futuristische Raumstationen bauen, so alltäglich sind wie Superhelden und Superschurken, aber in der die Helden neurotische Versager sein dürfen und die Schurken vielleicht so menschlich sind, wie sonst nirgends. Es ist wie die Dekonstruktion klassischer Comicheftrollen, die Autoren wie Alan Moore oder Frank Miller in den 80ern und 90ern betrieben haben. Nur eben mit viel mehr Humor und weniger Selbstgefälligkeit.

Eigentlich gibt es so viel, das ich über die Serie erzählen will, aber am besten entdeckt man sie alleine. Das ist in deutschen Gefilden etwas schwierig. Im Pay TV laufen seit Jahren nur die selben sieben oder acht Folgen und die wurden trotz einiger professioneller Sprecher auch noch so mies synchronisiert, dass selbst der stärkste Synchroverfechter die Nase rümpft und nur empfehlen kann, sich die Serie lieber im Originalton anzusehen. Eine DVD-Veröffentlichung ist seit Jahren geplant, wird aber immer wieder verschoben. Das ist selbst für einen Geheimtipp ziemlich mager, aber vielleicht geschieht ja noch ein Wunder und irgendjemand nimmt sich der Serie an und sie findet doch noch eine große Fangemeinde. Wünschenswert wäre es auf jeden Fall.

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