Serientipp: Galavant

Ich mag Musicals nicht. Wenn überhaupt, toleriere ich einige nur, weil die Geschichte gut funktioniert. Aber selbst bei denen, die ich mag, wäre es mir oft lieber, wenn man die Lieder weggelassen hätte. Nicht, dass ich etwas gegen Musik habe, aber all diese Tanz- und Gesangseinlagen sind eigentlich nur störende Unterbrechungen der Handlung. Dass also eine meiner aktuellen Lieblingsserien tatsächlich ein Musical ist, kommt auch für mich unerwartet. Aber ja, „Galavant“ macht richtig Spaß!

Der titelgebende Protagonist dieser Serie (Joshua Sasse), war mal ein großer Held. Ganz recht: „War“. Es war schon schlimm genug, dass seine große Liebe Madalena (Mallory Jansen) vom arroganten König Richard (Timothy Omundson aus „Psych“) entführt wurde. Aber als er sie retten wollte, servierte sie ihn für die Aussicht auf Reichtum und Adel einfach ab. Dies brach ihm das Herz und entfernte jedwedes Heldentum aus seinem Körper und nun ist Galavant einfach nur noch ein versoffenes Wrack. Als aber eines Tages Prinzessin Isabella (Karen David) auf seiner Matte steht und ihn darum bittet, ihre Heimat vor König Richard zu retten, kann Galavant einfach nicht widerstehen und macht sich mit ihr und seinem Knappen Sidney (Luke Youngblood, der Magnatude aus „Community“. Pop pop!) auf, um den eigentlich gar nicht mal sooooo bösen König zu besiegen und seine Ex-Freundin wieder zurückzuerobern.

Was jetzt wie ein mehr oder weniger durchschnittliches Heldenepos klingt, ist eine, mit viel schrägem Humor erzählte Comedyserie, die gar nicht mal zu Unrecht mit „Die Braut des Prinzen“ oder „Robin Hood: Helden in Strumpfhosen“ verglichen wurde. Auch wenn „Galavant“ durchaus weniger ernst genommen werden möchte als Ersteres, aber auch nie so albern wird wie Letzteres. Stellt euch „Xena“ vor und dann denkt euch alle ernsten Episoden weg. Dann denkt euch pro Folge mindestens drei Songs hinzu und ihr habt mehr oder weniger „Galavant“. Dass Serienerfinder Dan Fogelman auch das Drehbuch zu Disneys „Rapunzel“ schrieb, sollte ebenfalls ein Hinweis darauf sein, um was für eine Serie es sich handelt. Auch wenn der Humor manchmal etwas anzüglicher und oftmals viel schwärzer ist, als die Disney Studios es jemals zulassen würden. In einer Folge stimmen zum Beispiel zwei arme Bedienstete des Königs ein Liebeslied an, in dem es um die kurze Lebenserwartung im Mittelalter geht. Hohe Kindersterblichkeit inklusive.

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Ja, die Songs. Für viele potenzielle Zuschauer sind sie ein Grund, um eben nicht einzuschalten. Wie anfangs erwähnt, bin auch ich nicht gerade ein Fan davon und ich muss zugeben, dass das Gimmick sich sehr schnell (Staffel 1 besteht nur aus acht Folgen!) abnutzt und nur die wenigsten Lieder tatsächlich im Ohr hängen bleiben. Das ist schon etwas überraschend, da diese doch von Alan Menken stammen, der so einige der besten Disneysongs aller Zeiten schrieb. (Und den „Star Spangled Man“ Song aus „Captain America“!) Vielleicht liegt ihm Fließbandarbeit einfach nicht. Allerdings muss man in aller Fairness sagen, dass, so unnötig und wenig erinnerungswürdig die meisten Lieder sind, sie irgendwann auch nicht mehr stören. Sie gehören einfach dazu und man akzeptiert sie als Teil des Gesamtpakets.

Und dieses Gesamtpaket ist wirklich sehr gelungen. Zugegeben, es ist kein Homerun. Nicht alle Witze ziehen und es gibt sogar ein paar Folgen (inklusive des Piloten) in denen man eher lächelt, als wirklich zu lachen. Zudem dauert jede Episode nur eine halbe Stunde, was ja in der heutigen Zeit nach Abzug der Werbepausen sogar nur 20-22 Minuten sind! Da man in diese kurze Laufzeit ja auch noch mehrere Lieder quetschen muss, scheint handlungstechnisch oft nicht wirklich viel zu passieren. Aber trotzdem ist „Galavant“ genau die Sorte von leichtherzigem, aber trotzdem originellen Eskapismus, von der es heute scheinbar viel zu wenig gibt.

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Ich muss hier aber noch auf den mehr oder weniger heimlichen Star von „Galavant“ zu sprechen kommen. Dieser ist nämlich nicht Galavant, sondern König Richard. Es ist nicht nur so, dass Timothy Omundson, der selbst in einer oftmals stark überdrehten Serie wie „Psych“ immer ernst bleiben musste, hier wirklich aufs Gaspedal tritt und vielleicht die beste Performance seiner Karriere abliefert*. Richard ist auch der vielschichtigste Charakter der Serie. Wenn wir ihn zum ersten Mal sehen, ist er der typische böse, aber auch verzogene, fast schon kindliche König, der ohne seinen starken Handlanger Gareth (Vinnie Jones, der dummerweise [oder zum Glück?] nicht viel singen darf.) nicht mal ein Babykätzchen einschüchtern könnte. Doch, ohne zuviel verraten zu wollen, man lernt immer weitere Facetten seiner Persönlichkeit kennen und am Ende der ersten Staffel hat man ihn eigentlich richtig gern.

*Und er ist wirklich jemand, der immer exzellent ist! Ich bin immer noch der Meinung, dass er z. B. ein viel besserer „Dr Strange“ wäre, als der ebenfalls immer hervorragende Benedict Cumberbatch.

Am Sonntag startete die zweite Staffel, von der, dank der nicht wirklich hohen Zuschauerzahlen, niemand erwartete, dass es sie wirklich geben würde. Daher auch der herrliche Titel von Folge 2.1: „A New Season a.k.a. Suck It, Cancellation Bear“. Ich habe sie mir noch nicht angesehen, werde dies aber bald nachholen. (Die neuen Folgen sind bei Amazon Video käuflich zu erwerben.) Leider scheinen die Einschaltquoten auch dieses mal nicht besonders hoch zu sein und es ist sehr unwahrscheinlich, dass „Galavant“ dem „Cancellation Bear“ ein zweites Mal entkommen kann. Schade, denn nicht nur aufgrund des Musicalgimmicks sticht „Galavant“ aus der aktuellen Masse an langweiligen Comedyserien heraus. Es wäre schön, wenn wir länger etwas davon hätten.

(Leichte Spoiler über das Ende von Staffel 1 in diesem Video)

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