Ein paar Worte zum Thema „Paramount Vs Axanar“

Oh, hey. Lange nicht gesehen. Naja, Feiertage und Jahreswechsel, ihr versteht. Hier nur mal ein paar Worte über eine Sache, die mich schon länger aufregt, auch wenn ich zugeben muss, dass ich mich darüber nicht aufzuregen habe. Trotzdem, vielleicht habt ihr es mitbekommen, aber Paramount verklagt die Macher eines, durch Crowdfunding finanzierten Fanfilms.  Und mal ganz im Ernst: Damit hätten die Macher rechnen müssen!

schimpfschwed
Wer diesen Charakter kennt und weiß, was er hier zu suchen hat, bekommt einen Keks. (Disclaimer: Ihr bekommt keinen Keks.)

Was viele Menschen leider nicht wissen: Technisch gesehen ist jede Form von Fanart, wie z. B. Bilder, Fanfictions und ganz besonders Fanfilme, illegal. Nicht: „Du gehst in den Knast“-illegal, aber: „Hey, das darfst du nicht, das ist rechtlich geschützt, also musst du Strafe zahlen“-illegal. Einen Disclaimer Marke: „Copyright: Big Film Studio, mir gehört nichts“ unter euer Werk zu setzen, ist kein Schutz vor rechtlichen Schritten, sondern eher ein Schuldeingeständnis. Und die einzigen beiden Gründe, warum wir normalerweise nicht für jedes schlecht gezeichnete Bild unserer Lieblingshelden ins Armenhaus geklagt werden, sind:

a.) Es ist eine schlechte Idee, die Fans derart gegen sich aufzubringen.
b.) Es entsteht kein finanzieller Schaden, bzw. ihr verdient kein Geld damit.

Es ist wirklich noch nicht zu lange her, da haben Lucasfilm, Warner Bros und so einige andere, tatsächlich ihre Anwälte eingeschaltet und sind gegen die Macher von Fanfilmen und sogar Betreiber von Fanseiten vorgegangen. Selbst wenn diese überhaupt kein Geld damit verdient hatten und es wirklich nur aus Liebe zum Fandom taten. Aber natürlich waren die Resultate eher das, was man heutzutage als „Shitstorm“ bezeichnet. Trotzdem, sie waren im Recht! Ich weiß, wir leben in einer Gesellschaft, in der große Firmen grundsätzlich als böse zu betrachten sind und jeder alles kostenlos haben will, aber trotzdem gibt es noch Regeln. Und eine davon lautet: „Verdienst du Geld mit der Sache, die ich rechtlich schützen ließ, dürfen meine Anwälte dir in den Arsch treten.“

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Wie gesagt, die meisten Rechteinhaber machen dies nicht mehr, wegen des Imageschadens und vermutlich, weil es sie mehr kostet, jemanden zu verklagen, der kein Geld mit seinem selbst finanzierten Fanfilm verdient, als es einfach zu tolerieren. Dummerweise gibt es dank des verhältnismäßig neuen Trends des Crowdfundings einen Haufen Menschen, die nicht verstehen, was für eine Dose Würmer geöffnet wird, sobald sie völlig Fremde in der Öffentlichkeit um Geld für ihr Fanprojekt anbetteln.

Der springende Punkt an der ganzen Sache ist das „kein Geld verdienen“. Aber genau das tut man, wenn man mehrere Hunderttausend Dollar, Euro, Pesos, etc. von Menschen auf der ganzen Welt sammelt. Und gerade wenn man, wie in diesem Fall, über eine Million zusammenbetteln kann, betritt man ein legales Minenfeld! Ich muss dazu sagen, ich bin kein Anwalt und möchte nicht behaupten, dass das, was ich hier sage, zu 100% stimmt und allen Gesetzen entspricht, aber ich kann mir vorstellen, dass man, sobald man sein Fanprojekt fremdfinanziert, vor allem wenn man es mit Millionenbeträgen macht, für jeden einzelnen Cent eine Quittung vorlegen muss. Nur um zu beweisen, dass man sich nichts abgezweigt hat. Noch nicht mal um eine Packung Kaugummi für den Eigengebrauch zu kaufen.

Nicht zu vergessen, dass ab einem bestimmten Budget (zu dem garantiert „über eine Million Dollar“ gehört), der Film ein gewisses Maß an Professionalität erlangt. Und das ist der Punkt, an dem aus dem Fanfilm, vielleicht gar kein Fanfilm mehr wird, sondern ein professionell erstelltes Werk, auf Grundlage des geistigen Eigentums von jemand anderem. Sicher, andere Fanfilme, wie die von Paramount offiziell geduldete „New Voyages“ Reihe, sind auch keine Garagenproduktionen mehr. Selbst die guten, alten „Raumschiff Highlander“ Filme, hatten trotz VHS Optik und Laiendarstellern immerhin schon (für die Zeit) recht ansehnliche Effekte zu bieten. Aber trotz allem wird niemand diese Werke für offizielle „Star Trek“ Filme halten. Ob dies die Möglichkeit beim nun gestoppten „Axanar“ gewesen wäre, sei dahingestellt. Trotzdem – und das bringt uns wieder zum „Wir haben das Copyright und ihr nicht“ – kann Paramount und jeder andere Rechteinhaber einfach so sagen: „Stop! Bis hierhin und nicht weiter!“ Sei es, weil sie befürchten, dass ihr die Crowdfunding-Erlöse selber einsteckt oder euer Werk plötzlich zu nah am Original sein könnte. Aber eigentlich brauchen sie keine Gründe anzugeben, schließlich liegen alle Copyrights bei ihnen. Und da könnt ihr noch so sehr in eure Guy Fawkes Masken jammern und heulen und noch mehr Filme illegal streamen und herunterladen, es wird sich nichts daran ändern. Und glaubt es oder nicht, auch wenn ich zugeben muss, dass so manche Feinheiten der gültigen Copyrightgesetze definitiv angepasst werden müssen, ist es gut, dass sie existieren! Und daran gibt es auch nichts zu rütteln. Es muss euch nicht gefallen, aber es ist so. Doch das ist ein anderes Thema.

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Der Punkt ist: Es besteht die Möglichkeit, dass Paramount das Projekt sowieso gestoppt hätte. Warum auch immer. Aber sie haben es vermutlich aufgrund des Crowdfundings getan. Was lernen wir daraus und aus den vielen anderen Fällen in den letzten Jahren, in denen derartig finanzierte Fanprojekte auf rechtliche Weise gestoppt wurden? Geht wieder an eure eigenen Geldbörsen! Euer unlizenzierter Fanfilm wird vielleicht nicht ganz so gut aussehen, wenn ihr „nur“ ein Jahresersparnis dort hineinsteckt, aber die Wahrscheinlichkeit, dass der Rechteinhaber euch den Stecker zieht, ist viel geringer.

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