Zeit für eine Reise. Eine Zeit(dramatische Pause)reise. Ins ferne Jahr 1997. Ja, ihr lacht, aber 1997 liegt schon fast 20 Jahre zurück! Jetzt fühlt ihr euch aber alt! Der Grund, warum ich dieses Jahr gewählt habe, ist dessen Filmauswahl. In diesem Jahr erschien ein Haufen Filme, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Es scheint so, als ob die Filmindustrie in dem Jahr einfach alles auf die Leinwand warf, was bei drei nicht auf den Bäumen war! Wir reden hier von dem Jahr, in dem unter anderem „Titanic“, „Spawn“, „Starship Troopers“, „Ganz oder gar nicht“, Anaconda“ und „Good Burgers“ erschienen! In dieser Reihe möchte ich über die bemerkenswerten Filme sprechen. Den Anfang macht der weltweit neunterfolgreichste Film von 1997: „Das fünfte Element“.

Sogar die Katze in diesem Film ist albern.

Sogar die Katze in diesem Film ist albern.

Luc Bessons hyperaktives Science-Fiction Epos, war zu der Zeit der teuerste europäische Film aller Zeiten. Schon damals hat er Publikum und Kritiker gespalten, denn wohl niemand hatte erwartet, als was für ein (absichtlich) alberner und überdrehter Streifen es sich entpuppte. Die Trailer konzentrierten sich auf effektgeladene Moneyshots und den epischen Kampf um die Rettung der Welt und Besson hatte zwar Crossover-Hits wie „Nikita“ oder „Leon- Der Profi“ vorzuweisen, galt aber trotzdem noch als anspruchsvoller Arthouse Favorit. Mit „Das fünfte Element“ machte er aber eindeutig den ersten Schritt zum Pulp-Produzenten, als den wir ihn heute kennen.

Die Handlung sollte eigentlich bekannt sein, aber im Prinzip geht es um den Taxifahrer und Ex-Soldaten Korben Dallas (Bruce Willis), dem eines Tages in ferner Zukunft die geheimnisvolle Leeloo (Milla Jovovich) durchs Taxidach springt. Leeloo wurde aus der Hand eines Außerirdischen geklont und ist, wie immer wieder gesagt wird, perfekt. Das ist eines der ersten, großen Logiklöcher. Und ich meine nicht, dass die perfekte Frau eigentlich wie ein 14-jähriger Junge aussieht (sorry) und sich trotzdem jeder Mann sofort in sie verliebt, sondern dass, nachdem das Raumschiff der Außerirdischen von anderen Außerirdischen abgeschossen wurde, die Erdregierung mal eben so beschließt eine Hand der Opfer zu nehmen, damit irgendetwas Wissenschaftliches anzustellen und so Leeloo zu erschaffen. Ich wette, da gab es eine nicht verwendete Szene oder zwei, in der aufgeklärt wurde, warum die das machen.

Mit dem Präsi würde sich Trump nicht anlegen.

Mit dem Präsi würde sich Trump nicht anlegen.

Nachdem Leeloo ins Taxi kracht, gibt es eine Verfolgungsjagd mit der Polizei und auch hier zeigt der Film, dass er ein ernsthaftes Problem damit hat, eine glaubhafte Welt zu erschaffen. Der Präsident der Erde oder so, der originellerweise von „Tiny“ Lister gespielt wird, scheint ein ziemlich okayer Typ zu sein. Trotzdem scheint die Polizei eher auf der faschistischen Seite zu stehen. Zum Beispiel beschließen sie ziemlich schnell Raketen gegen das unbewaffnete Taxi zu benutzen und scheinbar sind überall, von Privatwohnung zu öffentlichen Orten, gelbe Kreise an der Wand, damit die Bewohner im Falle einer Polizeikontrolle dort ihre Hände platzieren können.

Der hier ist auch gut:  Eigentlich gut: Mortdecai

Auch wenn ich vorhin etwas unfair über Milla Jovovichs Aussehen gelästert habe, muss ich sie jetzt übrigens doch mal kurz loben. Sie ist eigentlich alles andere als eine gute Schauspielerin (Jetzt kommt das Lob!), aber sie ist verdammt gut hier. Sie spielt Leeloo als eine Mischung aus Raubtier (vor allem wenn sie im Labor erwacht), Kind und Actionheldin. Irgendwie findet sie immer den richtigen Ton zur richtigen Zeit und hat sichtbare Freude daran, so richtig zu übertreiben. Genau so wie Chris Tucker. Ich weiß, seine Performance in dem Film ist einer der umstritteneren Punkte und ich habe durchaus Verständnis für diejenigen, denen er nur auf die Nerven geht, aber ich liebe „Ruby Rhod“.

Alles, was ihr über Ruby wissen müsst, in nur einem Bild.

Alles, was ihr über Ruby wissen müsst, in nur einem Bild.

Ruby ist ein Radiomoderator, der in der zweiten Hälfte des Films kräftig an Bruce Willis Nerven sägen darf. Chris Tucker war nie ein besonders subtiler Schauspieler, aber hier dreht er so richtig auf! Doch ich greife hier etwas vor. Denn bis es zum Zusammentreffen zwischen Actionheld und Comic Relief kommt, passieren so einige bizarre Dinge. Gary Oldman spielt einen Großindustriellen, mit dem herrlichen 50er Jahre Science-Fiction Namen Zorg, der für einen lebenden Mond oder so etwas arbeitet, der das pure Böse ist und sich am Telefon als „Mr Shadow“ meldet. Um zu verhindern, dass der Shadowmond auf die Erde kracht, wird Korben beauftragt, vier Steine, die man zur Ausführung eines Rituals braucht, von einer Operndiva abzuholen. Aber es wollen natürlich auch Zorgs Handlanger, sowie eine Gruppe außerirdischer Söldner, die mächtig sauer auf Zorg ist und der Priester (Ian Holm), der auf Leeloo aufpassen und das Ritual durchführen soll diese Steine haben.

Gary Oldman sieht mal wieder anders aus, als in seinen restlichen Filmen.

Gary Oldman sieht mal wieder anders aus, als in seinen restlichen Filmen.

Wisst ihr was? Ich habe keinen Bock mehr darauf, die Handlung zu erklären, denn das würde ewig dauern. Ständig passiert etwas und immer sind es irgendwelche Dinge, die man dank des Marketings als „seriöses“ SciFi Epos, wohl nie erwartet hätte. Beispielsweise wird Zorg als skrupelloses Arschloch vorgestellt, erstickt dann aber während seiner großen Schurkenansprache fast an einer Kirsche. Oder es gibt eine Sitcom-esque Szene, in der Korben versucht einen Haufen Besucher voreinander zu verstecken und dies bewerkstelligt, indem er sie in den Kühlschrank und ein sich selbst neu beziehendes Bett stopft und versehentlich fast umbringt! Und dann ist da noch Ruby Rhod.

Der hier ist auch gut:  Filme über Filme: “Bowfingers große Nummer”

Man kann ihn nur lieben oder hassen. Ich persönlich liebe ihn! Auch wenn „Das fünfte Element“ nicht sehr viel Platz in meinem Herzen einnimmt, zitieren mein bester Freund und ich ihn immer noch. (Auch wenn es zugegebenermaßen hauptsächlich auf „grün“, „supergrün“ und „Bsssssssss“ beschränkt ist.) Chris Tucker übertrifft sich hier wirklich selbst. Vermutlich hat es niemand gewagt ihn zu stoppen, als die Kamera lief. Aber wenn erst mal die große Schießerei losgeht, sind selbst seine zahlreichen Schreie so perfekt getimt, dass ich jedesmal vor Lachen auf dem Boden liege. Wie gesagt, ich werfe es niemandem vor, wenn er Ruby hasst, aber für mich funktioniert er hervorragend.

Luke Perry ist weniger als 5 Minuten im Film, bekam aber den "and" Credit im Vorspann!

Luke Perry ist weniger als 5 Minuten im Film, bekam aber den „and“ Credit im Vorspann!

Nach fast zwei Jahrzehnten ist „Das fünfte Element“ immer noch ein einmaliges Stück Film, das aus der Masse der Special Effect geladenen Blockbuster heraussticht. An die Art und Weise, wie er Einflüsse aus europäischen Comics und Klassikern wie „Blade Runner“ mit der nicht vorhandenen Subtilität einer 80er Jahre Zeichentrickserie mischt, wagen sich heutzutage nur noch die Wachowskis. Und deren Filme sind beim Publikum ähnlich zwiespältig. Doch auch wenn ich den Film sehr gerne mag (zugegebenermaßen ohne ihn zu lieben), ist er kein Meisterwerk. Die Hyperaktivität und das atemlose Tempo kaschieren zwar das eine oder andere verdammt große Loch in der Handlung, aber gerade beim wiederholten ansehen fällt einem auf, wie banal die Handlung, trotz einiger cleverer Ideen doch ist. Aber wenn sich der Held auf den ersten Blick unsterblich in die Heldin verliebt oder diese sich am Ende weigert die Menschen zu retten, weil sie gelernt hat was Krieg ist und daraus folgert, dass alle Menschen böse sind, möchte man schon genervt mit den Augen rollen, bis sie bluten. Und warum der Böse nun ein Mond ist und was er in dieser Form bezweckt, ausser auf die Erde zu knallen oder warum die guten Ausserirdischen verhindern wollen, dass die Welt vom bevorstehenden Kampf erfährt und deshalb am Anfang mal eben so einen Forscher umbringen, erfahren wir auch nicht.

Aber trotz allem ist dies ein Film, den ich gerne alle paar Jahre aus dem DVD Regal hole. Und nicht nur aufgrund der aktuellen Welle an späten Fortsetzungen, habe ich das Gefühl, dass wir weniger als sechs Monate von der Ankündigung von „Das fünfte Element 2“ entfernt sind.

Facebooktwittergoogle_plusredditpinteresttumblr