Ja, es scheint mittlerweile amtlich. Nach vielen Gerüchten, dass es demnächst ein „Xena“ Remake* geben soll, wurde vor einigen Tagen offiziell ein Autor angeheuert. Dass es sich dabei um den gar nicht mal untalentierten „Lost“ Veteran Javier Grillo-Marxuach handelt und die original Produzenten Sam Raimi und Rob Tapert mit an Bord sind, gibt Anlass zur Hoffnung. Trotzdem gibt es noch sehr vieles, was man bei der Neuauflage falsch machen kann.

*Das Internet sagt, es sei ein „Reboot“, aber da dies ja eigentlich bedeuten würde, dass es sich um eine Serie handelt, bei der die Geschehnisse der vorherigen Staffeln anerkannt würden, man sich aber andere Freiheiten leistet (Sprich: Neubesetzung der alten Rollen und/oder ein Prequel, Marke „Casino Royale“, „X-Men: First Class“ oder JJ Abrams „Star Trek“), behaupte ich einfach mal, dass wie so oft das falsche Wort benutzt wurde. Zumindest, bis wir mehr darüber wissen.

Wenn die Menschen an „Xena“ denken, denken viele an leicht bekleidete Frauen, die schlecht computeranimierte Monster bekämpfen. Ich will nicht behaupten, dass dies ein falsches Bild von der Serie sei. Sie war ein Produkt ihrer Zeit und diese Zeit (Die 90er) war ziemlich kitschig. Vor allem, was das Fernsehen betrifft. Auch wenn es die ersten Anzeichen dafür gab, dass das „goldene Zeitalter des Fernsehens“ schon vor der Tür stand. „Xena“ war so ein Anzeichen. Wenn, verglichen mit anderen Messlattenhochlegern wie „Akte X“ oder „Twin Peaks“ auch nur ein Kleines. Die Production Values, wie es im englischen so schön heißt, waren verhältnismäßig niedrig, aber die Ambition war da. In ihren besten Momenten, war „Xena“ ein episches Fantasydrama über Schuld und Sühne. Manchmal auch eine sich ihrer selbst bewusste Comedyshow. Oder beides zusammen.

Xena, die Kriegerprinzessin, war ein komplexer Charakter. Als wir sie zum ersten Mal trafen, war sie die Bösewichtin der Woche in „Hercules“. Beeindruckend genug, um von den Fans sofort ins Herz geschlossen zu werden, aber auch nicht mehr. Als sie aber ihre eigene Serie bekam, musste ein Sinneswandel her. Nachdem sich ihr eigenes Heer durch einen Putsch gegen sie richtete und sie daraufhin mit Hilfe von Hercules auf den rechten Pfad geführt wurde, wurde die Geschichte interessant. Kurzfassung: Sie traf auf die so naive wie vorlaute Gabrielle (Oder „Gabriella“, wie sie aus unerfindlichen Gründen anfangs in der deutschen Synchro hieß.), sie wurde ihr Anhängsel, sie wurden beste Freundinnen und gingen zusammen durch die Hölle und wieder zurück.

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Auch wenn die Serie ähnlich locker und spaßig anfing wie „Hercules“, nahmen die Geschichten schnell eine düstere Wendung. Und ich meine so richtig düster! Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich mich damals mit der Comicbuchverkäuferin meines Vertrauens über die Serie unterhielt und wir beide der Meinung waren: „Das ist keine Kinderserie mehr!“ Dabei ging es weniger um die graphische Gewalt, denn mit wenigen Ausnahmen, war die Serie immer noch nachmittagstauglich. So klischeehaft es auch klingt, am unerträglichsten wurde es oft, wenn die Serie ins psychologische zielte.

Dann gab es aber noch die andere Seite von „Xena“. Die Meta-Seite. Die Seite, in der sich die Serie über sich selbst lustig machte oder völlig absurde, aber trotzdem brillante Wege fand, um eine Geschichte zu erzählen. Oftmals gingen beide Seiten Hand in Hand. Unvergessen und auch nicht gerade unumstritten, war zum Beispiel das Ende einer Storyline, die scheinbar damit endete, dass Xena und Gabriella von Julius Cäsar gekreuzigt wurden und starben. Wie würde die nächste Folge, das Staffelfinale, dieses fortführen? Mit einer Comedyepisode Schrägstrich Clipshow, in der ein Fan der Serie der festen Überzeugung ist, die Reinkarnation ihrer Heldin zu sein. Wie gesagt, ein ähnlich kontroverser Schritt wie damals „South Parks“ verspätete Auflösung der Frage, wer denn nun Cartmans Vater sei, aber dafür auch ein mutiger. Eine viel beliebtere Folge war „The Bitter Suite“. Zu dem Zeitpunkt dieser Folge, waren Xena und Gabrielle verbitterte Feindinnen, weil Gabrielle unbeabsichtigt Mitschuld an dem Tod von Xenas Sohn hatte. Als die wütende Kriegerprinzessin ihre ehemalige beste Freundin umbringen will, landen beide in einem magischen Land, in dem sie sich ihrer Probleme in Musicalform stellen müssen. Ja, Musicalepisoden sind heutzutage schon ein Klischee, aber „Xena“ machte es vor! Selbst „Buffys“ legendäre „Once More With Feeling“ Folge, kam erst später! Aber das wirklich Besondere an „The Bitter Suite“, war, dass sie nach außen hin wie eine leichtherzige Gimmickfolge aussah, aber eigentlich eine emotionale Aussprache zwischen zwei verletzten Seelen war. Ein perfekter Abschluss für eines der düstersten Kapitel der „Xena“-Saga.

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Gut, nicht immer war die Experimentierfreude aller Beteiligten eine gute Sache. In einer Folge träumt Gabrielle zum Beispiel, dass sie eine Meerjungfrau sei und Seehundbabys oder so etwas hätte. Aber dann gab es auch wieder gelungene Experimente, wie die Folge, in der plötzlich ohne irgendeine Erklärung ein Kamerateam auftaucht, alle Beteiligten zu den Geschehnissen der Folge interviewt und alle reagieren, als ob es das Normalste auf der Welt sei.

Zusammenfassend kann man sagen, dass „Xena“ eine viel originellere, risikofreudigere und allgemein viel bessere Serie war, als es ihr popkultureller Status erahnen lässt. Die Frage, die sich nun aber stellt, ist, wie viel davon in der Neuauflage bleiben wird. Ich liebe es, wenn Remakes ihr eigenes Ding durchziehen. Im Gegensatz zur breiten Masse, hatte ich z.B. aus diesem Grund weniger Probleme mit dem „Robocop“ Remake. Wenn die Macher hinter den neuen Abenteuern der Kriegerprinzessin eine neue Herangehensweise finden, werde ich das nicht gegen sie verwenden. Sollten sie die neue Serie aber wirklich auf den kleinsten, gemeinsamen Nenner reduzieren, sprich eine so anspruchslose wie langweilige Fantasyactionserie herunterkurbeln und komplett ignorieren, was das Original eigentlich so populär machte, dann haben wir ein Problem.

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