Angriff der Trek Snobs

Reden wir mal über „Star Trek“. Gestern ist ja der Teaser zum neuen Film veröffentlicht worden und wie erwartet, hassen die Fans ihn. Oder zumindest ein lauter Teil davon tut dies.Der Teaser konzentriert sich auf Action, Explosionen und Beastie Boys* und die Trek Snobs verkünden natürlich sofort die fortschreitende Verdummung ihres Lieblingsfranchises. Aber um ehrlich zu sein, ist „Star Treks“ Status als „Intelligente Science Fiction“ ziemlich überbewertet.

*Alternakirks Liebe zu den Beastie Boys war von Anfang an ein kontroverser Punkt unter den Fans, aber ich persönlich liebe ihn. Wenn die Menschen in „Star Trek“ normalerweise Musik hören, sind es immer Mozart, Beethoven und andere klassische Komponisten, dabei waren diese doch die Popmusiker ihrer Zeit! Wer sagt, dass diverse Popmusikstücke unserer Zeit nicht genau so überdauern können, wie z.B. „Die Zauberflöte“ und co?

Versteht mich bitte nicht falsch. Ich will hier keinesfalls kleinreden, was Gene Roddenberry damals erschaffen hat. War Science Fiction, vor allem in Film und Fernsehen, damals eher auf Kinder und „simple Gemüter“ ausgerichtet, versuchte er einen anderen Weg zu gehen. Sicher, es gab, wie in anderen SciFi-Serien und -Filmen dieser Zeit, grässliche Aliens und spannende Raumschlachten, aber oft war in den eigentlich ziemlich simplen, einstündigen Geschichten ein gewisser Subtext mit eingeflochten. Nicht jedes Monster war so böse, wie es zuerst schien, aber die Motivationen der wirklich bösen Bösewichter, war oft an aktuelle und vergangene Schandtaten der realen Menschheit angelehnt. Und natürlich darf nicht unerwähnt bleiben, wie die Serie eine Zukunft aufzeigte, in der Rassismus und Vorurteile der Vergangenheit angehören! (Es sei denn, es ging um Klingonen. Noch nicht mal Tribbles konnten die leiden. Und etwas sexistisch war die Serie als Produkt ihrer Zeit im Endeffekt dann doch irgendwie.) Doch obwohl die Originalserie und die Nachfolger ihr Bestes taten, um diesem Anspruch gerecht zu werden, war dieser Anspruch nie wirklich so hoch, wie es Fans gerne behaupten.

Aller mehr oder weniger versteckter Sozialkritik und Grauzonen zum Trotz, war „Star Trek“ vorrangig immer eine Abenteuerserie.

Aller mehr oder weniger versteckter Sozialkritik und Grauzonen zum Trotz, war „Star Trek“ vorrangig immer eine Abenteuerserie, in der es um grässliche Aliens und spannende Raumschlachten ging. Der Subtext war am Ende nur ein Bonus. Und völlig egal ob es dabei um TOS, TNG, DS9, VOY oder ENT ging, niemand kann mir erzählen, dass er oder sie Woche für Woche mit dem Gedanken: „Hm, mal sehen, wie meine Lieblingsraumschiffcrew unserer Gesellschaft diese Woche den Spiegel vorhält“ den Fernseher einschaltete. Nein, ihr alle wolltet Eskapismus im Weltall! Spannende und unterhaltsame Science Fiction Abenteuer! Ich meine, schaut euch mal die klassischen Filme an! Welche sind die Lieblingsfilme der Fans? „Der Zorn des Kahn“, in dem ein Schurke auf einen Rachefeldzug geht und am Ende in einer spektakulären Raumschlacht getötet wird! „Zurück in die Gegenwart“, der zwar eine von Greenpeace unterstützte Ökobotschaft hat, aber nur wegen seines leichtherzigen Humors so beliebt ist! „Das unentdeckte Land“, in dem Kirk und Pille in einen Weltraumgulag geworfen werden und die Crew einen Terroranschlag vereiteln muss! Und „Der erste Kontakt“, der gelungene Versuch der Reihe, einen Action-Horrorfilm auf die Beine zu stellen!

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Jetzt regt ihr euch wegen eines kurzen, auf Action ausgelegten Teasers auf? Natürlich packen die da Action rein! Man kann einen Franchise wie „Star Trek“ nicht nur den Hardcorefans schmackhaft machen, man muss auch das „normale“ Publikum ansprechen. Und die sehen am liebsten Actionfilme! Oder so ausgedrückt:

Ohnehin finde ich das Herumgejammere darüber, dass die neuen Kinofilme angeblich nur auf Action ausgelegt sind, kindisch. Ja, das Budget ist höher als damals, die Effekttechnologie ist so weit vorangeschritten, dass die Explosionen größer sind und irgendwie hat JJ Abrams es geschafft, dass „Star Trek“ selbst für die Menschen cool ist, die die Reihe damals für zu nerdig hielten. Doch nicht auf Kosten von dem, was die Fans an „Trek“ liebten. „Abrams-Trek“ schafft zum Beispiel das Kunststück, die Kameraderie zwischen der Crew der USS Enterprise genau so hinzubekommen, wie sie damals war. Sie alle sind etwas jünger und dementsprechend ist Kirk etwas arroganter, Spock emotionaler, Chekov naiver, aber es sind trotz neuer, jüngerer Schauspieler, genau die Charaktere, die wir seit unserer Kindheit kennen und lieben! Und unter all dem 21st Century Popcorn Glam, verbergen sich auch die Sorte Sozialkritik und Grauzonen, die „Star Trek“ ihren guten Ruf einbrachten! Spocks Kampf mit seiner gemischten Herkunft, Neros von verständlicher Wut und Trauer getriebener Genozid an Vulkan, Khans von genau so verständlicher Wut getriebene Terrorakte und die „Who watches the Watchmen“ Philosophie hinter Admiral Marcus Taten.

Unter all dem 21st Century Popcorn Glam, verbergen sich auch die Sorte Sozialkritik und Grauzonen, die „Star Trek“ ihren guten Ruf einbrachten!

Aber nein, in bester moderner „Fan“-Tradition, zeigen erstmal alle auf ein paar Kleinigkeiten und beschließen: „Das ist Scheiße, das wollen wir nicht.“ Mir gefällt der neue Teaser, so wenig er auch preisgibt. Scheinbar wird die Enterprise mal wieder zerstört, die Crew ist gestrandet und vermutlich nur, weil jemand sauer war, dass die Föderation so weit vorgedrungen ist. („This is where the final frontier pushes back!“) Mal sehen, wie sich der Film entwickelt. Ich bleibe optimistisch. Auch wenn der letzte Akt von „Into Darkness“, dank missgeleitetem Fanservice kräftig verkackt hatte, habe ich keinen Grund, dies nicht zu sein.

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