So, endlich habe ich mal wieder Zeit gefunden, um in die X Akten hineinzuschauen. Diesmal geht es um „Feuer“ und „Die Botschaft“.

Eine alte Kollegin von Mulder bittet ihn darin um Hilfe, nachdem ein britischer Diplomat scheinbar grundlos Feuer fing. Es wird sehr schnell klar, dass sie mehr als nur Arbeitskollegen waren und das Mulder nicht mehr wirklich gut auf sie zu sprechen ist. Was genau vorgefallen ist, wird nicht weiter erwähnt, aber es gibt genug Hinweise darauf, dass sie gerne mit Männerherzen spielt und er wohl nicht ihr einziges Opfer war. Allerdings ist Mulder auch willens ein negatives Männerklischee abzugeben und sich von ihr erneut um den Finger wickeln zu lassen. Immerhin ist er schlau genug um Scully im Vorfeld zu warnen und sie aus dem Spielchen herauszuhalten.

Dies ist eine Folge, die bei den Shippern bestimmt hoch im Kurs steht. Denn ja, eines der vergnüglichsten Elemente dieser Folge, ist wie Scully Mulders Ex betrachtet. Zugegeben, es ist vermutlich eher, weil es sich dabei um eine durchaus unsympathische Person handelt (Zu Anfang der Folge spielt sie ihr und Mulder einen ziemlich derben Streich.) und/oder weil sie sich um ihren Partner sorgt, aber wer will, kann Scullys passiv-aggressive Blicke auch als Eifersucht deuten.

Der Fall der Woche ist an sich ganz gut. Der Grund, für die spontane Entzündung des Diplomaten, ist ein Psychopath mit pyrokinetischen Fähigkeiten, gespielt vom „Hey, der Typ schon wieder“-Schauspieler Mark Sheppard. Dies war eine seiner ersten Rollen und Auftritte in u.a. „Sliders“, „Star Trek: Voyager“, „Chuck“, „Charmed“, „V.I.P.“, „Firefly“, „24“, „NCIS“, „Battlestar Galactica“, „Doctor Who“ oder „Supernatural“ folgten. Der Typ, den er hier spielt, ist ein ganz mieser Mistkerl. Er spielt nicht unbedingt in der Liga von Tooms, aber die Art und Weise, wie er sich bei einer weiteren Diplomatenfamilie einschleicht, strategisch über einen langen Zeitraum hinweg überall Brandbeschleuniger verteilt oder sich mal ebenso spaßeshalber in einer voll besetzten Kneipe selbst in Brand steckt*, ist schon ziemlich beängstigend.

Der hier ist auch gut:  Der Akte X Spätstart Report: “Schlaflos” und “Unter Kontrolle”

e6fire*Ich sollte übrigens anmerken, dass ich brennende Stuntpersonen liebe und dass diese Folge ein paar davon hat. Im wahren Leben jemanden anzuzünden ist natürlich schrecklich, aber in Film und Fernsehen beeindrucken mich diese lebenden Fackeln jedes Mal!

Leider ist die Art und Weise, in der Sheppard seine Rolle spielt, wenig subtil. Es ist zwar nicht genug um es als „Mega Acting“** zu bezeichnen, aber er versucht nicht wirklich zu verheimlichen, dass sein Charakter Böses im Schilde führt. Mehr als einmal wartete ich darauf, dass eine Szene damit endet, dass sich die anderen Personen hinter seinem Rücken so etwas wie „Was für ein merkwürdiger Typ“ oder „Mit dem stimmt etwas nicht“ zuflüstern.

**Ein Begriff, der von einigen Jahren vor meinem Lieblingskritiker Vern erfunden wurde, um den Schauspielstil von Nicolas Cage zu bezeichnen. Der Gedanke dahinter ist, dass es kein „Overacting“ ist, bei dem man versehentlich übertreibt, sondern ganz bewusst noch eine Stufe weiter geht und zu jeder Sekunde weiß, wie unterhaltsam es wird.

Doch auch wenn der Bösewicht etwas übertrieben und das Gefühlsleben von Mulder etwas erzwungen wirkt (U.a. erfahren wir, dass er auch noch dank eines Jugendtraumas Angst vor Feuer hat), ist „Feuer“ keine schlechte Folge. Für unterhaltsame 45 Minuten reicht es dicke.

Aber aus verschiedenen Gründen besser, ist „Die Botschaft“. Darin lernen wir Scullys Eltern kennen und hey, ihr Vater wird gespielt von Don Davis aus „Stargate SG1“! Aber noch vor dem Vorspann verstirbt dieser an einem Herzinfarkt. Doch nicht, ohne kurz nach seinem Tod noch mal im Wohnzimmer seiner Tochter zu erscheinen.

Ja, Scully erlebt hier ihr erstes, eigenes paranormales Phänomen. Vor ihrer Versetzung zu den X-Akten hätte sie diese Erscheinung wohl als Hirngespinst abgetan, aber man merkt sofort, dass sie, als die Skeptikerin des Teams, sich fragt, ob es vielleicht nicht doch wirklich ihr Vater war. Und dies allein wäre wohl schon genug Stoff für eine interessante Charakterfolge, doch es wird noch eine Schippe draufgelegt.

Alles ist besser mit Brad Dourif!

Alles ist besser mit Brad Dourif!

Und zwar in Form des Oscar-nominierten „Hey, der Typ schon wieder“-Schauspielers Brad Dourif. Dourif ist ein Mega Actor par excellence, was er hier mal wieder auf grandioseste Weise unter Beweis stellt. Hier spielt er den Serienkiller Luther Lee Boggs, der kurz vor seiner Hinrichtung Mulder anbietet, bei der Suche nach einem entführten Teenagerpärchen zu helfen. Seitdem seine Hinrichtung in allerletzter Sekunde verschoben wurde, behauptet er übersinnliche Fähigkeiten zu besitzen und mit den Toten sprechen zu können. Doch während Mulder diesmal den Skeptiker gibt und Boggs keine Silbe glaubt, ist es Scully, die mehr und mehr Beweise für dessen Fähigkeiten findet.

Nein, nicht diese Sorte MVP.

Nein, nicht diese Sorte MVP.

Brad Dourif ist ohne Zweifel der MVP der Folge, aber das ist er ja eigentlich meistens. Wie er sich hier dreht und windet, mal Furcht einflößend, mal mitleiderregend ist, zwischen großen „Schaut her, wie verrückt ich bin“ und subtilen „Ich will nicht sterben“-Momenten schwankt, muss man gesehen haben. Doch auch Gillian Anderson muss hier gelobt werden. Scullys innerer Kampf zwischen ihrem Skeptizismus und dem, was ihr in dieser Folge passiert, hätte eine schwächere Schauspielerin nie so glaubhaft und zurückhaltend hinbekommen. Der einzige Wermutstropfen ist das Ende, wenn Scully mal eben so beschließt, alles zu ignorieren und wieder ihn altes Ungläubigentum verfällt, einfach nur, weil es das Drehbuch so möchte.

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So, ich versuche mich mit der Sichtung der weiteren Folgen etwas ranzuhalten, aber wer weiß, was mich nächste Woche wieder vom bloggen und fernsehen abhält.

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