Reden wir mal über „Scooby Doo“. Jeder kennt doch den so ängstlichen wie verfressenen Cartoonhund und seine Freunde. Erdacht 1969 von Joe Ruby und Ken Spears, haben sie bis heute nichts an ihrer Popularität eingebüßt. Ich persönlich bin ein riesiger Fan, seitdem ich „Scooby Doo, wo bist du!“ damals Ende der 80er auf RTL (Oder „RTL Plus“, wie es damals hieß.) sah. Warum „Scooby Doo“ so ein durchschlagendes, Jahrzehnte andauerndes Popkulturphänomen ist? Man weiß es nicht! Aber es gibt nun schon wieder eine neuen Serienableger, über den ich hier mal sprechen möchte.

„Bleib cool, Scooby Doo“ ist die insgesamt zwölfte „Scooby Doo“ Serie und davon die vierte seit der durch die beiden Realfilme angekurbelte Scooby Renaissance Anfang des Jahrtausends. Und schon als das erste Bild aus dieser Serie zu sehen war, waren sich Fans und Gelegenheitszuschauer einig: „Bleib cool“ sieht wie Scheiße aus. Wie hingerotzte Fanart eines untalentierten Amateurzeichners. Auch die vorherigen beiden Serien, „Mystery Incorporated“ und „Shaggy & Scooby Doo Get A Clue“ hatten ein sehr gewöhnungsbedürftiges Charakterdesign zu bieten, aber wenigstens sah es noch professionell aus. Nicht in diesem Fall. Shaggy, Scooby, Velma, Daphne und Fred sehen aus, als hätte sich irgendein Kiffer mal eben 10 Minuten hingesetzt und ohne groß nachzudenken, mal eben die bekannten Figuren hingekritzelt. Es ist schwer, sich auf eine neue Serie zu freuen, wenn die sich so wenig Mühe beim Design geben.

Echt jetzt? Ich meine...ECHT JETZT?!

Echt jetzt? Ich meine…ECHT JETZT?!

Aber Überraschung! „Bleib cool, Scooby Doo“ ist gut! Nicht „Gravity Falls“-gut, um mal einen Vergleich mit einem anderen Cartoon über geheimnislösende Minderjährige zu ziehen, aber definitiv besser als die letzten beiden Serien. Ich weiß, „Mystery Incorporated“ hat viele Fans und es war auch ein ganz netter Versuch, „Scooby Doo“ in die modernen Standards des Geschichtenerzählens einzuführen, aber im Endeffekt war es eine peinliche Fanfiction, die wahrscheinlich von Menschen geschrieben wurde, die die Reihe entweder noch nie gesehen oder schlichtweg gehasst haben. Und „Get A Clue“? Darin wurden Shaggy und Scooby in eine Geschichte um verrückte Wissenschaftler und Superkräfte verleihende Scooby Snacks versetzt. Ganz amüsant, aber hatte so gar nichts mit „Scooby Doo“ zu tun. „Bleib cool“ hingegen macht vieles richtig. Am wichtigsten: Die Charaktere!

Zum Beispiel ist Fred kein kompletter Vollidiot mehr. Seit „A Pup Named Scooby Doo“ seinen IQ in den Keller fallen ließ, war er mal mehr, mal weniger dumm. Zuletzt war in „Mystery Incorporated“ so dämlich, dass man ihn kaum noch als menschliches Wesen erkennen konnte. Zudem hatte er einen sehr bizarren Fallenfetisch, der wohl irgendwie seine, aus der Originalserie bekannte Fähigkeit, komplizierte Fallen quasi aus dem Nichts zu improvisieren, parodieren sollte, aber einfach nur, in Ermangelung eines besseren deutschen Wortes, „creepy“ war. Seine „Bleib cool“ Version hat immer noch eine gewisse Naivität an sich, allerdings nur innerhalb des humoristischen Rahmens der Serie. Es gibt Momente, in denen er Dinge sagt oder tut, die er normalerweise nicht sagen oder tun würde und das einfach nur, weil es ein guter Gag ist. (Z.B. gibt er auf die Frage, ob er Höhenangst hätte, die absurde Antwort, dass er nur Angst vor Breiten hat.) Aber der hirnverbrannte Trottel, als der er zuletzt dargestellt wurde, ist weg. Hoffentlich für immer.

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Interessanterweise hat Daphne diesmal eine nicht ganz unumstrittene Persönlichkeitsjustierung bekommen. „Scooby Doo“ war nie eine Serie mit wirklich tiefgründigen Charakteren. Und als man einmal versucht hatte der Gang wirkliche Tiefe zu geben, wurde eine Katastrophe daraus.* Aber egal in welcher Serie, Daphne war immer der flachste Charakter. Entweder war sie nur „Danger Prone Daphne“, die sich ständig entführen ließ oder sie war nur auf ihre Schwärmerei für Fred und ihre modische Erscheinung fixiert. In „Bleib cool“ hingegen, ist sie…exzentrisch. In der ersten Folge versucht sie sich in der Kunst der Puppenspielerei und nervt ihre Freunde mit Handpuppenversionen von ihnen. In einer weiteren Folge, tut sie so, als ob sie die Erzählerin einer Dokumentation wäre und kommentiert das Geschehene live vor Ort. Es gibt schon den einen oder anderen Daphne-Fan, der mit ihrem neu gewonnenen „Comic Relief“ Status nicht einverstanden ist, aber ich finde ihn ganz erfrischend. Sie kommt trotz allem nicht wie ein Dummchen rüber, sondern einfach wie ein Freigeist, der tut, was ihm in den Sinn kommt. Außerdem hätten die Autoren ganz einfach den simplen Weg gehen können und sie in das moderne, pseudofeministische Klischee der durch und durch perfekten Powerfrau, die über all die Narretei um sie herum nur den Kopf schüttelt, verwandeln können. Nein, da ist mir diese fröhlich-alberne Daphne lieber.

*Ja, ich hasse „Mystery Incorporated“ wirklich mit all meiner Kraft.

Velma hatte es zuletzt wirklich schlimm erwischt. Gab „What’s New“ ihr noch einige nette Charakterzüge, wie eine Liebe für Eishockey, eine Angst vor Clowns und einen Hang zum leichtherzigen Sarkasmus, wurde aus ihr in „Mystery Incorporated“ ein hassenswertes, arrogantes Arschloch, das Wutausbrüche hatte, wenn etwas nicht nach ihrem Willen lief. Außerdem hasste sie Scooby! Schön, dass das in „Bleib cool“ korrigiert wurde.** Sie benutzt sogar endlich wieder ihren Kopf! Das größte Problem mit ihr, liegt in ihrem Charakterdesign. Meine Güte, ist die junge Frau abgemagert! Ich will jetzt hier keinen Vortrag über Körper von Zeichentrickfiguren, sowie den Schlankheitswahn in der realen Welt halten, aber ich fand es immer ganz gut, dass es mit Velma zumindest eine Person in der Popkultur gab, die normal aussah.

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**Auch wenn ich es schade finde, dass sie und Shaggy in dieser Serie kein Paar mehr sind. Ja, ich gebe es zu, ich bin ein Velma/Shaggy Shipper! Nicht weitersagen.

Und Shaggy und Scooby? Sie sind Shaggy und Scooby. Es ist bemerkenswert, wie wenig sich die Zwei in all den Jahrzehnten und Inkarnationen verändert haben und wie wenig das nötig war. Von Anfang an waren sie die klassischen vaudevillesquen Slapstickcharaktere, in der Tradition von Abbott & Costello oder Laurel & Hardy. Die Charaktere, deren Späße im Vordergrund standen, während die seriöseren Figuren die Fälle lösten. Und genau das sind sie auch hier. Nicht mehr, nicht weniger und so soll es sein.

In Sachen Drehbücher ist die neue Serie ein genau so mildes Update wie „What’s New“. Es wird nicht groß am Konzept herumgepfuscht, sondern es nur hier und da an die modernen Sehgewohnheiten angepasst. Die Gags sind etwas überdrehter***, das Tempo ist schneller, aber ansonsten bleibt alles beim Alten. Es wird nicht viel ironisiert oder parodiert. Auch wenn der eine oder andere Gag schon mit den klassischen Konventionen spielt. (Etwa wenn sich in einer Folge ein maskierter Schurke dafür entschuldigt, wie langweilig sein Plan war.) Aber „Bleib cool“ ist „Scooby Doo“, wie wir es lieben. Auch wenn ich mich niemals an das schreckliche Charakterdesign gewöhnen würde.

***Im Nachhinein betrachtet war Tom Ruegger mit seinen Versionen „Die 13 Geister“ und „A Pup Named“ humortechnisch seiner Zeit voraus.

Die „Scooby Doo“-Reihe hat in den vergangenen Jahrzehnten so manchen peinlichen Fehltritt überstanden. (Ähnlich wie Batman.) Und ich bin mir sicher, dass „Bleib cool, Scooby Doo“ nicht die Serie sein wird, die jegliches Interesse an den Charakteren für immer auslöschen wird. Selbst wenn es bei nur einer Staffel bleiben sollte, wird garantiert bald schon eine neue Serie folgen. Sollte dies aber aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen trotzdem das Ende von „Scooby Doo“ sein****, ist es zumindest ein Ende auf verhältnismäßig hohem Niveau. Abgesehen vom Charakterdesign. VERDAMMT, WAS HABEN DIE SICH DABEI GEDACHT?!

****Wer weiß ob „Scooby Doo“ nicht die nächste Sache sein wird, die laut Forschern Krebs verursacht?

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