Amazon Pilot Season: „Highston“ & „Z: The Beginning Of Everything“

Nach den letzten beiden, gar nicht mal üblen Piloten, fällt das Niveau mit „Highston“ und „Z: The Beginning Of Everything“ beträchtlich.

Das von Sacha Baron Cohen produzierte „Highston“ erzählt die Geschichte einer etwas, nennen wir es mal „schrulligen“ Familie. Genauer gesagt, die ihres 19 Jahre alten Sohnes Highston, der sich ständig mit imaginären Freunden unterhält und von ihnen mal mehr, mal weniger nützliche Lebensratschläge erhält. Das alleine wäre schon problematisch genug, aber seine unsichtbaren Berater sind Prominente! Am Anfang erfahren wir, dass er sich u. a. mit den Fantasieversionen von Madonna und Daniel Day Lewis unterhielt. Auch Bill Gates und Stephen Hawking werden erwähnt. Die beiden, die wir dann aber tatsächlich sehen, sind Flea von den Red Hot Chili Peppers und Shaquille O’Neil.

Was wir hier haben, ist ein Beispiel dafür, wie ein einzelner Fehltritt ein gelungenes Konzept zunichtemachen kann. Der Pilot zu „Highston“ ist so charmant wie witzig. (Es ist sehr offensichtlich, dass das „Little Miss Sunshine“ Regieduo Valerie Faris und Jonathan Dayton hinter der Kamera saß.) Szenen wie die, in der Highton auf grandiose Weise beim Vorstellungsgespräch versagt oder mit Hilfe seiner „Freunde“ aus der Gruppentherapie flieht, machen Lust auf mehr. Und der Cliffhanger lässt auch schon erahnen, worauf die Serie hinauslaufen wird. Vermutlich wird Highston dank seiner Lebensberater in jeder Folge mehr über sich erfahren und immer selbstsicherer werden, bis er sie im Serienfinale schließlich nicht mehr brauchen wird. Und im Endeffekt bietet „Highston“ die gelungene Mischung aus Herz und Albernheit, die z. B. „My Name Is Earl“ in seinen ersten beiden Staffeln geboten hatte. Wenn nur das dumme Promigimmick nicht wäre.

Eines meiner meistgehassten Comedyklischees der Neuzeit, ist der Prominente, der „sich selber“ spielt. Die Anführungszeichen bedeuten, dass er sich nicht wirklich selber, sondern eine lustige Version von sich spielt. Ihr wisst schon. Wie Adam West es seit Jahrzehnten tut oder William Shatner es vor seiner Karriererenaissance mit „Boston Legal“ tat. In den letzten Ca. zwei Jahrzehnten, waren allerdings auch echte A-Promis bereit, sich selbst auf den Arm zu nehmen. Ohne Zweifel dank der „Simpsons“, die diesen simplen Gag salonfähig gemacht und so sehr perfektioniert haben, dass sie damit selbst heute noch echte Lachbomben hervorzaubern können. Trotzdem: Nachdem Serien wie „30 Rock“, „Curb Your Enthusiasm“, „Extras“, Entourage“ und wie sie alle heißen, Folge für Folge kaum etwas anderes taten als uns A- und B-Promis in selbstironischen Auftritten zu präsentieren, verursacht es bei mir nur noch Augenrollen.

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Das Positive ist, dass „Highston“ klarstellt, dass die hier gezeigten Stars wirklich nur Hirngespinste sein sollen. Auch wenn Flea und Shaq von den echten Flea und Shaq gespielt werden, sind es nur die Versionen, die sich der Protagonist vorstellt. Aber trotzdem ist die Pilotfolge und damit wohl auch die gesamte Serie, auf den „Hey, Prominente benehmen sich albern“-Faktor ausgelegt. Völlig egal wie sich die Handlung entwickeln wird und wie gut die Gags sein werden, am Ende wird der wahre Mittelpunkt jeder Folge nur der neue Special Guest Star sein. Und das macht „Highston“ in meinen Augen absolut überflüssig. Schade. Würden z.B. Highstons Promikumpel für uns unsichtbar

bleiben oder vielleicht diverse fiktive Charaktere sein, wäre ich weiteren Folgen keinesfalls abgeneigt.

Ebenfalls überflüssig, wenn auch aus ganz anderen Gründen, ist „Z: The Beginning Of Everything“. Christina Ricci spielt darin eine junge Zelda Fitzgerald. (Oder zu dem Zeitpunkt noch Zelda Sayre.) Und ich muss zugeben, das ist ein historischer Charakter, über den ich absolut gar nichts weiß. Nach diesem Piloten will ich aber auch nichts über sie wissen.

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Die Version von ihr, die wir hier sehen, ist mehr Parodie als Mensch. Sie ist ein Freigeist, dessen Geist so frei ist, dass sie noch nichtmal das selbe zu Abend essen möchte, wie der Rest der Familie! Sie bestellt sich stattdessen ein Sandwich beim Hausmädchen und selbst so eine Kleinigkeit wird zum großartigen Akt der Rebellion gegen ihren strengen Vater (David Strathairn). Es gibt kaum etwas, wogegen Zelda nicht rebelliert! Sie erscheint immer unpünktlich, wenn jemand auch nur andeutet, dass ihre Eltern sie lieber in züchtigerer Kleidung sehen möchten, wird sie sofort pampig und ohnehin sind alle Regeln für sie doof. Und natürlich ist sie auch die schönste Frau der Stadt, bei der alle Männer Schlange stehen!

„Z“ ist nur eine altbackene Seifenoper, die kaum ein Klischee auslässt. Würden Ricci und Strathairn nicht vor der Kamera (und Tim Blake Nelson dahinter) stehen, würde es mich wenig wundern, diese Serie am werktäglichen Vorabend auf Sat.1 zu sehen. Zumindest für eine oder zwei Wochen, bevor sie vorzeitig abgesetzt wird. Und das hat auch nichts mit meinem Penis zu tun! Ich bin durchaus für romantische Geschichten zu haben, aber das hier ist nur ein lächerlicher Groschenroman über eine perfekte Frau, die immer Recht hat, von allen missverstanden wird und nach der großen Liebe sucht.

Nein, tut mir leid. Sowohl „Highston“ als auch „Z“ haben in meinen Augen keine weiteren Folgen verdient.

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