So, diese Woche war ich ziemlich beschäftigt, aber hier ist nun ein neuer Rückblick auf eine alte Serie. Nach den vorherigen beiden Stinkern präsentiert „Akte X“ nicht nur eine gelungene Hommage an einen meiner Lieblingsfilme, sondern auch ihre besten Folgen seit „Das Nest“! Aber auch wieder zwei nicht so tolle Folgen.

In einer Forschungsstation in der Arktis ist etwas Schlimmes passiert. Nachdem einer der letzten Überlebenden (Ken Kirziger, der Jason aus „Freddy Vs Jason“) einen Notruf mit den Worten „Wir sind nicht, wer wir sind“ abgeschickt hat, gerät er in einen Faustkampf, der damit endet, dass sich beide Gegner einvernehmlich eine Kugel in den Kopf jagen. Kurze Zeit später werden Mulder und Scully zusammen mit einem Forschungsteam (Inklusive Gaststars Xander Berkley and Felicity Huffman) dorthin geschickt und natürlich gibt es bald die ersten Toten. Schuld daran ist ein Parasit, der seinen Wirt gewalttätig macht. Doch da in solchen Stresssituationen bei jedem die Nerven blank liegen, ist es nicht so einfach herauszufinden, wer ihn in sich trägt.

Forschungsstation in der Arktis? Tote? Paranoia? Ja, „Eis“ ist eindeutig an John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ angelehnt. Es gibt sogar einen infizierten Hund und im Verlauf der Handlung wird Mulder von den Anderen in einem Werkzeugschuppen unter Quarantäne gestellt. Natürlich ist die Folge keine Splattergranate wie sein Vorbild, doch Glen Morgan, James Wong und Regisseur David Nutter, liefern eine äußerst spannende 45 Minuten Variante davon, die sich mehr auf die Paranoia-Aspekte des Vorbilds konzentriert.

Es ist nur etwas schade, dass man zum Ende hin den Infizierten recht einfach erraten kann. Wenn auch nur, weil so stark mit dem Finger auf eine bestimmte Person gedeutet wird, dass es nur die andere sein kann. Trotzdem ist das Finale durchaus spannend geschrieben und inszeniert. Genau wie der Rest der Folge.

Kleine Randnotiz: „Das Ding aus einer anderen Welt“ ist heute 33 Jahre alt und hat zurecht die Reputation eines damals völlig missverstandenen Meisterwerks des Horrorkinos. Als die Folge gedreht wurde, war der Film gerade mal 11 Jahre alt und vermutlich in den Augen Vieler noch ein peinlicher Kassenflop, der aufgrund der vielen negativen Kritiken einfach nur mies sein muss. DVDs und Netflix gab es zu der Zeit noch nicht und wer weiss ob und wie viele Videotheken noch eine VHS davon im Regal stehen hatten. Vermutlich gab es damals gar nicht so viele Zuschauer, die die Parallelen zwischen dem Film und dieser Folge bemerkt haben, während heute vermutlich jeder nach der ersten Szene auf den Bildschirm zeigt und „Ding!“ ruft.

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„Besessen“ ist leider wieder nicht so gut. Schauspielveteran Ed Lauter spielt darin einen NASA Projektleiter/ehemaligen Astronauten/Kindheitsheld von Mulder, dessen Space Shuttle Mission scheinbar boykottiert wird. Wie sich herausstellt, hat der gute Mann bei einem früheren Weltraumspaziergang wohl jemanden mitgebracht, der ihm mehr als nur Albträume bereitet.

Erstaunlicherweise war diese Folge als Budgetsparende „Bottle Episode“ geplant, die hauptsächlich an einem Ort spielt und keine großen Spezialeffekte braucht. Da man aber ein komplettes NASA Kontrollzentrum bauen musste, wurde es schließlich doch eine der teuersten Folgen der gesamten Serie. Leider zeigt sich die Intention des Kostensparens immer noch sehr deutlich. Zum Beispiel in den grobkörnigen Archivaufnahmen des Space Shuttles oder der unfreiwillig komischen Inszenierung eines Autounfalls. Am Ende blieb nicht wirklich viel bei mir hängen. Auch wenn ich den Macher für den effektiven Einsatz des Marsgesichts applaudieren muss. Interessant ist allerdings, dass man in der deutschen Synchro immer „Der Spaceshuttle“ sagt. Ein Blick in den Duden bestätigt, dass dies nicht falsch ist, sondern nur eine selten benutzte Alternative. Man kann „der“ oder „das“ sagen.

Ebenso enttäuschend ist „Gefallener Engel“, in dem das Militär versucht Mulder davon abzuhalten, hinter das Geheimnis eines abgestürzten Raumschiffs zu kommen. Die Folge fängt wirklich unterhaltsam an, als wir Mulder dabei zusehen, wie er sich Ninja-like auf ein vom Militär abgesperrtes Gelände schleicht. Auch das Ende, als die wahre Intention des außerirdischen Besuchers (mehr oder weniger) enthüllt wird, ist spannend und verhältnismäßig überraschend. Aber dazwischen gibt es nur Leerlauf.

Ich muss hier mal ehrlich sein. Ich weiß, dass die Haupthandlung von „Akte X“ die Alien-Verschwörung ist. Aber diese Story ist leider auch die, die mich am wenigsten interessiert. Ich fange an zu glauben, dass ich einen Fehler gemacht habe, als ich anfing mir die Serie jetzt noch anzuschauen.

Trotzdem: Weitermachen lohnt sich. Denn „Eve“ ist wieder ein echter Knaller. Darin werden zwei Männer, die auf den ersten Blick nichts miteinander gemeinsam haben und in völlig verschiedenen Ecken der USA wohnen, zur exakt der selben Zeit auf die gleiche, ungewöhnliche Weise ermordet. Mulder glaubt natürlich sofort an Außerirdische, weil er irgendwelche hanebüchenen Parallelen zum Phänomen der Rinderverstümmelung zieht. Und der erste Akt der Folge, machte mich tatsächlich nervös. Mulder drängt so sehr in die Alien-Richtung, dass ich mich auf eine weitere Schlaftablette von einer Folge gefasst machte.

Doch zum Glück war meine Sorge unbegründet! Denn schon der Alien-Teil der Folge war viel interessanter als die letzten beiden Folgen zusammen. Dann wurde langsam klar, dass es NICHT um Außerirdische geht und von diesem Moment an schlug die Folge wilde Haken und entwickelte sich bis zur letzten Szene ständig in neue Richtungen.

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Ich gehe in dieser Rubrik ja eigentlich sehr locker mit Spoilern um. Einfach nur des Alters dieser Serie wegen. Darum werde ich jetzt auch hier den einzigen Makel dieser Folge besprechen. Dieser ist allerdings auch ein ziemlich wichtiger Teil der Handlung, also bitte nicht beschweren.

Wie sich herausstellt, waren die Killer keine Außerirdischen, sondern die Kinder der Ermordeten, welche sich bis aufs Haar gleichen und eigentlich Klone eines fehlgeschlagenen Experiments sind. Nun, eines meiner meist gehassten Klischees, ist das „gruselige Kind“. Ich kann es einfach nicht ernst nehmen. Kinder können zwar grausame Arschlöcher sein, aber es ist schwierig, das im Film glaubhaft rüberzubringen. Meistens stehen sie einfach nur da und schauen böse in die Wäsche. Das ist nicht gruselig, das ist lächerlich. Abgesehen davon ist das „gruselige Kind“ so derart abgenutzt, dass selbst wenn es tatsächlich jemals gruselig gewesen wäre, es dieses nun nicht mehr ist. Schon lange nicht mehr. Und so sehr ich „Eve“ auch als wirklich gelungene Folge schätze, sobald die beiden Blagen anfingen böse zu spielen, rollte ich mit den Augen, bis mir schlecht wurde.

In all Fairness: Die Zwillinge Erika und Sabrina Krievins, die die bösen Klone spielen, sind eigentlich wirklich gut. Wie sie es schaffen von einer Sekunde auf die andere von „normales Kind“ auf „emotionsloser Psychopath“ umzuschalten, ist wirklich bemerkenswert. Trotzdem: Am Ende sind es immer noch zwei kleine Mädchen, die so tun, als ob man Angst vor ihnen haben sollte, auch wenn sie eher lächerlich wirken. Doch im Endeffekt ist dies irrelevant, denn die Folge ist erstklassig. Selbst das Finale, das eigentlich gar nicht so spannend sein dürfte, weil wir ja wissen, dass Scully und Mulder nicht sterben werden, überzeugt!

Ich nähere mich jetzt langsam dem Mittelteil der ersten Staffel und bis jetzt war diese zumindest ein interessantes Erlebnis. Es gab so einige Folgen, die das Niveau besaßen, das man von der ersten Staffel einer 90er Jahre Serie erwartet. Aber die erstklassigen Folgen, wie z.B. die eben genannten „Eis“ und „Eve“, gleichen das aus. Mal schauen, wie es weitergeht.

P.S.: High Five für denjenigen, der einen Clip von „Eek, der Kater“ in die „Eve“-Folge gepackt hat!

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