Filmkritik: Tales Of Halloween

Auch wenn die meisten Exemplare die Angewohnheit haben, aufgrund starker Qualitätsschwankungen innerhalb der einzelnen Segmente den Zuschauer nur selten zufriedenzustellen, ist der Episodenfilm eines meiner liebsten Subgenres. Die meisten Filme dieser Art findet man im Horrorgenre und der Beste der letzten 10 Jahre, war ohne Zweifel „Trick ‚r Treat“. Mit „Tales Of Halloween“ versucht nun eine Handvoll Filmemacher, eine weitere erstklassige halloweenzentrische Anthologie auf die Beine zu stellen. Und das mit Erfolg!

tales_of_halloween_ver3Eines solltet ihr unbedingt wissen, bevor ihr den Film startet. „Tales Of Halloween“ ist eine Komödie. Eine oft sehr, sehr Schwarze, aber wie der Feiertag an sich, geht es hier hauptsächlich darum zu lachen und Spaß zu haben, wenn das Blut spritzt. Einige Episoden sind zwar ernsthafter als andere, aber im Großen und Ganzen ist der Film absichtlich weniger auf Spannung ausgelegt. Interessant ist dabei, wie sehr die einzelnen Autoren und Regisseure auf einer Wellenlänge liegen. Im Episodenfilm ist das nicht immer der Fall, aber dieses Werk wirkt wie aus einem Guss.

Was mich anfangs etwas stutzig machte, war die Länge der einzelnen Episoden. Ganze zehn sind es, der komplette Film geht aber keine 90 Minuten. Der „Twilight Zone“-Film hat zum Beispiel nur halb so viele Episoden und läuft 101 Minuten! Und ja, so einige Segmente in „Tales Of Halloween“ wirken aufgrund ihrer Laufzeit und knackigen Pointe wie Sketche aus einer Halloweenfolge von „Portlandia“ oder „Key & Peele“, aber das ist definitiv nicht schlecht. Es muss auch gesagt werden, dass sich auf diese Art keine wirkliche Langeweile einstellt. Nichts wird künstlich in die Länge gezogen, wenn etwas nicht so recht funktioniert, ist es in ein paar Minuten vorbei.

Schauen wir uns mal die einzelnen Segmente an:

Sweet Tooth von Dave Parker („The Dead Hate The Living“, „The Hills Run Red“) überzeugt nicht völlig. Zu viele Klischees beherrschen die kurze Laufzeit und Spannung kommt auch nicht wirklich auf. Die Geschichte über „Die Naschkatze“, einem Schreckgespenst, das deine Süßigkeiten klaut, selbst wenn sie schon in deinem Magen liegen, hat aber ein paar nette Ideen und eine witzige, schwarzhumorige Pointe. Es war eine weise Entscheidung, diese Episode an den Anfang zu setzen. Auch wenn sie nicht wirklich gehaltvoll ist, ist es ein gutes Warm-up für den Rest des Films.

08

The Night Billy Raised Hell von Darren Lynn Bousman („Saw“ 2-4, „Repo! The Genetic Opera“) ist Comedy pur! Als der kleine Billy von seiner Schwester und ihrem Freund überredet wird, das Haus eines seltsamen alten Mannes (Barry Bostwick) mit Eiern zu bewerfen, entpuppt sich dieser als der Teufel persönlich. Er beschließt Billy zu zeigen, was seiner Meinung nach ein echtes Halloween ist. Es ist schon sehr interessant, wie weit Bousman hier geht, um klarzustellen, dass das Gesehene lustig sein soll. Er untermalt jeden größeren und kleineren Gewaltakt sogar mit Cartoonsounds! Das überraschende ist, wie gut die unerwartete Slapstickeinlage funktioniert! Es ist nicht gerade die erinnerungswürdigste Episode, aber sie macht Spaß!

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Trick von Adam Gierasch („Night Of The Demons“ Remake), ist eines der Besten und eines der wenigen Segmente, die tatsächlich versuchen 100% Horror zu sein. Darin werden einige Freunde in ihrem Haus die Zielscheibe von sehr sadistischen Kindern. Auch wenn ich kein Fan des „Böse Kinder“-Klischees bin und sich das Home Invasion Subgenre schon Jahre vor „The Purge“ totgelaufen hat, überzeugt „Trick“ durch eine gelungene Regie und ein überraschendes Ende.

The Weak & The Wicked von Paul Solet („Grace“) ist die schwächste Episode. Darin konfrontiert ein Teenager im selbstgemachten Dämonenkostüm eine Gruppe jugendlicher Krimineller. Das Treffen verläuft anfangs nicht ganz nach Plan, doch bald wird klar, dass unser Protagonist nicht nur einen guten Grund, sondern auch einen Freund auf seiner Seite hat. Hier passiert nicht viel, ausser einer Verfolgungsjagd. Doch wenn am Ende alle Karten auf den Tisch gelegt werden und die finale Blutfontäne spritzt, ist man zufrieden genug, um diese Episode doch noch durchgehen zu lassen.
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Grim Grinning Ghost von Axelle Carolyn („Soulmate“) ist eine altmodische Geistergeschichte. Darin wird eine junge Frau auf dem Nachhauseweg von einer Halloweenparty (auf der unter anderen Lyn Shaye, Stuart Gordon und Mick Garris dabei sind!), von einem überaus unfreundlichen Geist verfolgt. Versteht das „altmodisch“ bitte nicht als Kritik! Dies ist vielleicht die einzige Episode, in der tatsächlich mit Hilfe von so einfachen wie altbekannten Tricks Spannung aufkommt! Auch wenn man irgendwie immer weiß, was als nächstes passiert.

Ding Dong von Lucky McKee („May“, „The Woman“) ist neben „The Weak & The Wicked“ das schwächste Glied des Films. Darin versucht ein Mann zu verhindern, dass seine Frau den an die Tür klingelnden Kindern etwas Schlimmes antut. Das Ganze plätschert irgendwie dahin, aber Bonuspunkte kassiert die Episode für Polynna McIntosh’s so witzige wie Spannung erzeugende Performance, der Frage was von dem Gesehenen echt ist und was nicht und der Thematisierung des Tabuthemas „Häusliche Gewalt, bei der der Mann das Opfer ist“.

04

This Means War von John Skipp und Andrew Kasch ist ein unterhaltsamer Sketch über den Kleinkrieg zweier Nachbarn um die bessere Halloweendeko. Ich hätte mir gewünscht, dass die Handlung noch weiter eskaliert, aber die gut aufgelegten Darsteller und die flotte Inszenierung sorgen für das eine oder andere Kichern.

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Friday The 31st von Mike Mendez („Killers“, „The Convent“) startet als wirklich gelungene Slasherfilm-Hommage. Darin wird eine junge Frau von einem maskierten Serienkiller terrorisiert. Doch als ein unerwarteter dritter Mitspieler auftaucht, nimmt die Handlung eine überaus bizarre Wendung. Ich will nicht wirklich spoilern was passiert, aber seid versichert, dass „Friday The 31st“ mit den größten Lachern des Films aufwarten kann.

The Ransom Of Rusty Rex von Ryan Shifrin („Abominable“) ist fast genau so witzig. Sam Witwer und Jose Pablo Cantillo spielen darin zwei Gangster, die den Sohn von Millionär Jebediah Rex (John Landis!) kidnappen wollen. Natürlich ist die ganze Sache nicht mal ansatzweise so einfach, wie erwartet. Von allen Episoden ist das die einzige, von der ich gerne eine längere Version sehen würde. Die Kurzversion macht aber an sich schon sehr viel Spaß. Hauptsächlich des Zusammenspiels der Protagonisten wegen.

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Bad Seed von Neil Marshall („Dog Soldiers“, „The Descent“) beendet den Film mit einer vergnüglichen Hommage an trashige 80er Jahre B-movies. Eine lebende Kürbislaterne macht darin Jagd auf Menschenfleisch und die harte Polizistin MacNally (Kristina Klebe) ist die Einzige, die ihn stoppen kann. Neil Marshall hat definitiv seine Hausaufgaben gemacht und das Ergebnis ist eine herrliche Ansammlung von Genreklischees, bei denen das Cliffhanger-Ende natürlich nicht fehlen darf.

01Das größte Problem von „Tales Of Halloween“ sind am Ende die oft wenig originellen Handlungen. Einer der größten Pluspunkte ist auf der anderen Seite aber dessen Umsetzung! Man muss nicht immer das Rad neu erfinden, manchmal muss es sich einfach nur gut drehen. Und das tut es hier. Vor allem ist es sehr erfrischend eine überdrehte Genrekomödie zu sehen, die zwar voller Anspielungen und Gastauftritte steckt, aber nicht in peinliches „Wink wink nudge nudge“ Marke Adult Swim oder „Kung Fury“ abrutscht. Die Macher beweisen, dass sie das Genre kennen und lieben, aber niemals, indem sie uns hohle Referenzen unter die Nase reiben.

Natürlich kann ich es Horrorfans nicht verübeln, wenn sie sich durch die komödiantische Annäherung an Halloween etwas abgeschreckt fühlen. Manche Menschen mögen ihren Horror ernster oder zumindest mehr augenzwinkernd als „Ha ha“. Ihnen entgeht aber ein wirklich guter Film für die Halloweenparty! Es gibt genügend Lacher, genug Blut und Innereien, die eine oder andere wirklich spannende Szene und genug bekannte Gesichter und Insider-Witze für alle. „Tales Of Halloween“ ist kein „Trick ‚r Treat“, der gerade im Bereich des augenzwinkernden Horrorfilms vollends überzeugte, aber er ist durchaus besser als „The ABCs Of Death“ oder die „V/H/S“ -Reihe.

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