Ich gebe es zu, ich bin ein schrecklicher Binge Watcher. In der Zeit, in der andere Menschen vermutlich schon mindestens 2/3 aller Folgen durch hätten, bin ich noch nicht mal in der Mitte der ersten Staffel angelangt. Wenn ich in dem Tempo weitermache, wird uns der Spätstart Report bis mindestens 2019 erhalten bleiben.

Mit „Schatten“ präsentiert uns „Akte X“ diesmal eine nette, kleine Spukgeschichte, mit einem halbwegs originellen Twist. Darin wird eine Angestellte vom Geist ihres Chefs heimgesucht. Auf den Fall aufmerksam werden Mulder und Scully, als sie von irgendeiner Behörde, die sich weigert auch nur irgendetwas preiszugeben, kurzzeitig als Berater hinzugezogen werden. Denn der Chefgeist geht scheinbar über Leichen und da er ein Geist ist, gibt es für die Art und Weise wie er seine Opfer umbringt, keine Erklärung.

Der einfach zu erratende Twist hierbei ist (leichter Spoiler), dass die junge Frau nicht tatsächlich heimgesucht, sondern beschützt wird. Und die Toten, die er dabei hinterlässt, waren ziemlich miese Typen, die es vermutlich alle verdient hatten. Was ihn allerdings auch nicht davon abhält, in einer Szene Mulder und Scully beinahe ins Grab zu bringen. Nun ja, irren ist Geistlich.

Im Großen und Ganzen hinterließ „Schatten“ nicht wirklich einen Eindruck bei mir. Es war ganz nett, dass das „Monster Of The Week“ ausnahmsweise mal der Held war und dass es am Ende nur darum ging, stinknormale Verbrecher hinter Gittern zu bringen, aber man könnte dies als die erste Füllerepisode der Serie bezeichnen. Für einige unfreiwillige (?) Lacher sorgten aber die sehr bizarren Auftragskiller (Ein Mann und eine Frau im 50er Jahre Greaser Outfit!?!) und dass Scully irgendwie immer eine Sekunde zu spät durch die Tür kam, um den Spuk mitzuerleben. Im Ernst, sie hat zwar kürzere Beine als Mulder und muss in hohen Absätzen laufen, aber warum sie erst so spät nach ihm ein Haus betritt, obwohl beide zur selben Zeit von ihrem Auto aus losrannten, ist schon sehr mysteriös. Vielleicht gibt es ja eine weitere X-Akte über Scully Laufgeschwindigkeit…

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Auch „Die Maschine“ ließ mich kalt. Ich weiss nicht, was Science Fiction- und Fantasy-Autoren so faszinierend an bösen Supercomputern finden. Oder besser gesagt, warum sie den selben Mist ständig wiederkäuen müssen. Auch diese Geschichte unterscheidet sich nicht wirklich von dutzenden anderen. Genie erfindet Supercomputer, dieser wird zu intelligent und fängt an Menschen umzubringen. Alles schon gesehen.

Ganz nett ist aber, dass wir einen früheren Partner von Mulder kennenlernen. Dieser ist ein ziemlicher Tunichtgut, der keine Probleme damit hat, für Mulders Arbeit die Lorbeeren einzuheimsen. Es wird zwar nicht weiter darauf eingegangen, aber es ist klar, dass dies schon öfter vorgekommen sein muss und wohl der Grund für das eisige Verhältnis zwischen den Beiden ist.

Ein sehr interessantes Detail ist auch, wie unpeinlich die Folge ist, wenn es um Computerkram geht. Wir kennen das. Selbst heute scheint die digitale Welt für viele Film- und Fernsehautoren noch eine völlig fremde zu sein, in der die aufwändigsten Renderprozesse nur Sekunden dauern, man sich mit ein paar schnellen Tastenanschlägen durch jede Firewall hacken kann und es nie zu Kompatibilitätsproblemen oder ähnlichem kommt. Und wenn die Serie über 20 Jahre alt ist, erwartet man ja das Schlimmste! „Die Maschine“ kam nur drei Jahre vor „Independence Day“ heraus. Jenem Film, in dem eine Alien-Invasion vereitelt wird, indem man einen Computervirus auf das Mutterschiff schleust! Und ich will nicht behaupten, dass diese Folge 100% akkurat ist, aber wenn das Schlimmste eine Szene ist, in der das hochintelligente Genie das den Supercomputer erschuf, in Minutenschnelle einen Virus erschaffen kann, den Mulder aktiviert indem er einfach einen Dongle in ein Laufwerk schiebt, muss man den Autoren gratulieren. (Kleine Beobachtung am Rande: In der deutschen Synchro wird das Wort „hacken“ hochdeutsch ausgesprochen. Also nicht wie im Englischen als „häcken“. Irgendwie musste ich an dieser Stelle lächeln.)

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Ich hoffe mal, dass diese beiden Folgen der Tiefpunkt der Staffel bleiben werden und vor allem, dass mein Tempo im Bereich des weiteren Folgenkonsums anziehen wird.

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