In dieser Rubrik möchte ich über die in meinen Augen besten Folgen vereinzelter Serien reden. Die aussergewöhnlichen Folgen, die das ganze Serienuniversum auf den Kopf stellten, mit Fernsehkonventionen brachen, ein interessantes Gimmick erstklassig umsetzten oder einfach nur verdammt spannend oder zum schreien komisch waren.Auf die erste Folge, über die ich hier reden möchte, treffen gleich mehrere Dinge zu.

Die „Tales From The Crypt“ haben in den USA eine lange und interessante Geschichte. Die Horror-Comic Reihe wurde in den 50ern vom späteren „MAD“ Gründer William Gaines ins Leben gerufen und wurden natürlich schnell zur Zielscheibe von Moralaposteln und Jugendschützern. Und das obwohl trotz all der Gewalt in diesen Comics, die Geschichten oft eine Moral hatten. Die Bösen wurden immer bestraft und das häufig auf angemessen ironische, manchmal völlig absurde Weise.

crypt coverIn einer Geschichte bringen zum Beispiel die Besitzer eines heruntergekommenen Vergnügungsparks den Konstrukteur ihrer neuartigen Achterbahn um, als dieser zu viel Zeit mit ihrer Meinung nach unwichtigen Tests verschwendete. Als sie vor Presse und Besuchern dann aber die erste Fahrt antreten, bricht die hohe Geschwindigkeit ihnen das Genick. Tja, hätten sie mal auf ihr Mordopfer gehört. Doch einige Geschichten waren „denen da oben“ zu sozialkritisch. Wie etwa die, in der ein wütender Mob den Zuschauer einer Militärparade zu tode prügelt, nur weil er den vorbeiziehenden Soldaten nicht salutierte. Wie sich herausstellte, war der Mann aber blind und hat sie einfach nicht gesehen. Soviel zum Thema „blinder Patriotismus“.

Doch auch wenn die Comics schnell aus den Kiosken und Kinderzimmern verbannt wurden, ihr Vermächtnis lebte weiter. Vor allem dank der damaligen Kinder, die diese Schundheftchen damals verschlangen. Ein paar von denen wurden erfolgreiche Hollywoodproduzenten. In den 80ern erstanden Joel Silver, Walter Hill, Richard Donner, Robert Zemeckis und David Giler die Rechte an der Reihe und verarbeiteten sie zu einer erfolgreichen HBO Serie. (1989-1996) Wie es von dem Sender zu erwarten war, geizten die einzelnen Folgen nicht mit Sex und Gewalt und als die Serie schließlich Mitte der 90er bei Sat.1 zu sehen war, war der Großteil der Folgen sehr stark geschnitten. (In aller Fairness: Sie waren immer noch recht blutig und man konnte der Handlung immer folgen.)

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Das große Verkaufsargument, das Sat.1 für sich nutzte, war die Starpower vor der Kamera. Viele Hollywoodstars, wie z.B. Christopher Reeve, Michael J. Fox oder Whoopie Goldberg gaben sich die Ehre. Einige von ihnen, wie z.B. Arnold Schwarzenegger oder Tom Hanks, dessen Folge die Erste war, die der Bällchensender zeigte, führten sogar Regie. Doch der vielleicht interessanteste Gaststar tauchte in der Folge auf, über die ich hier reden möchte: Humphrey Bogart!

Alfred Hitchcock trifft "Fiesling Gump"

Alfred Hitchcock trifft „Fiesling Gump“

Nein, auch wenn es eine Horrorserie ist, die Produzenten haben Bogeys Skelett nicht ausgegraben und ihn mit einem Voodoo-Ritual vor die Kamera gezerrt. Regie bei „Tote leben länger“ führte Robert Zemeckis, der ein Jahr zuvor mit „Forrest Gump“ einen Megahit landen konnte. Eines der Highlights des Films, ist wie Tom Hanks in klassisches Film- und Fernsehmaterial eingefügt wurde und so auf bekannte, oft schon lange verstorbene Figuren der Zeitgeschichte traf. Und genau so landete Humphrey Bogart, mit Hilfe von altem Filmmaterial, fast 40 Jahre nach seinem Tod auf HBO. Doch hier hört die Besonderheit der Folge nicht auf.

„Tote leben länger“ erzählt die Geschichte von Lou, einem ehemaligen Kriminellen, der nach seinem Knastaufenthalt von seinem besten Freund, dem Schönheitschirurgen Oscar (John Lithgow), sich davlcsnap-error129s Gesicht hat operieren lassen um ein neues Leben anzufangen. Und ja, Lou sieht jetzt aus wie Humphrey Bogart. Nach der Gesichtsoperation wurde Lou nicht nur ein ehrlicher Mensch, sondern auch ein erfolgreicher Geschäftsmann, dessen einziges Problem nur seine hassenswerte Frau Betty (Isabella Rosselini) ist. Bis zu dem Tag, an dem Betty und Oscar ihn umbringen. Ja, Lou ist tot und die ganze Folge wird aus seiner Perspektive erzählt. Und das meine ich wörtlich! Um die Hommage an „Das unbekannte Gesicht“, in dem Bogey ebenfalls jemanden spielte, der erst nach einer Geischts-OP so aussah wir er, perfekt zu machen, sehen wir die gesamte Geschichte durch Lous Augen. Und nur wenn er in einen Spiegel oder eine andere reflektierende Oberfläche blickt, sehen wir sein (=Humphrey Bogarts) Gesicht.

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Diese beiden Besonderheiten würden eigentlich schon ausreichen um „Tote leben länger“ zum Highlight zu machen, aber das Drehbuch ist eine herrlich schwarzhumorige Angelegenheit. Glaubt nicht, dass Lous Tod das Ende der Geschichte ist! Nein, er stirbt so ziemlich in der Mitte, aber sein Geist verlässt seinen Körper nicht. Selbst nach seinem Tod muss er (und somit auch wir) mitansehen, wie Betty und Oscar versuchen, den Körper zu entsorgen. Wunderbar morbide Soundeffekte und trockene Off-Kommentare des Opfers inklusive.

Der Disclaimer im Abspann der Folge.

Der Disclaimer im Abspann der Folge.

Auch wenn die Spezialeffekte nicht immer perfekt aussehen, ist diese Folge ein echtes Glanzlicht der Fernsehgeschichte. Isabella Rosselini, übrigens die Tochter von Bogarts „Casablanca“-Filmpartnerin Ingrid Bergman, overacted mit sichtbarer Freude. Dagegen hält sich John Lithgow allerdings diesmal zurück. Doch die Regie von Robert Zemeckis, die Kameraarbeit von Rick Bota, für die er übrigens für einen Preis der American Society Of Cinematographers nominiert war und natürlich die Hitchcock-esque, schwarzhumorige Handlung, sorgen auch 20 Jahre später für glänzende Unterhaltung, die durchaus noch mit den heutigen Fernsehstandards mehr als mithalten kann.

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