So Nebenbei: Lockout Vs Die Klapperschlange

Erinnert sich jemand an „Lockout“? Den von Luc Besson produzierten und verdammt unterhaltsamen Actioner, in dem ein knallharter Verbrecher (Guy Pierce) die Präsidententochter (Maggie Grace) aus einen Gefängnis im Weltall befreien musste? Nun, mehr als ein Zuschauer und Kritiker verglichen den Film mit John Carpenters „Die Klapperschlange“. Nicht aufgrund der gleichen Qualität (So sehr ich „Lockout“ mag, er ist nicht mal annähernd so gut wie „Die Klapperschlange“.), sondern weil sich Protagonist und Handlung so sehr ähnelten. John Carpenters Filme waren so derart Einflussreich, dass sie häufig kopiert wurden („Halloween“, anyone?), aber diesmal schien es ihm zuviel zu sein und er zog vor Gericht. Und gewann!

Ein Pariser Gericht sah zu viele Ähnlichkeiten zwischen den beiden Filmen, auch wenn anerkannt wurde, dass so manche Elemente, wie z.B. Filmidee oder Thema nicht rechtlich geschützt sind und so einiges als „gemeinsames Kinogut“ zu werten sei. Das gesamte Urteil gibt es hier.

Was ich an diesem Urteil interessant finde, ist die Frage, was es für das moderne Kino bedeutet. Nicht erst seit Tarantino mit seinen Cineastischen Mixtapes, die dutzende Storyelemente, Dialoge, etc aus anderen Filmen borgen, für Furore sorgte, lieben moderne Filmemacher es, ihren Idolen und Lieblingsfilmen nachzueifern. Das geht manchmal mehr, manchmal weniger offensichtlich vonstatten. Und ein wenn ein Film wie „Lockout“, der sich trotz allem so sehr von seinem Vorbild unterscheidet, wegen Plagiarismus verurteilt werden kann, was muss dann Tarantino befürchten? Wird Disney James Cameron verklagen, wegen der vielbelächelten Storyähnlichkeit zu „Pocahontas“? Wird endlich jemand in der Lage sein, „The Asylum“ und ihre „Mockbuster“ zu stoppen?

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Um es klarzustellen, jeder in der Filmindustrie wird früher oder später wegen solcher Dinge verklagt. Meistens handelt es sich allerdings um Menschen, die z.B. behaupten dass man ihr unverfilmtes Drehbuch geklaut hätte. Legendär ist die Frau, die seit Ewigkeiten versucht Geld von James Cameron und den Wachowskis zu bekommen, weil sie angeblich die Ideen zu „Terminator“ und „Matrix“ gehabt hätte. Aber so etwas wie im Falle „Lockout“ Vs „Klapperschlange“ kommt meines Wissens nach seltener vor. Vorallem, dass der Kläger Recht bekommt!

Da fühlt man sich schon etwas an die „Blurred Lines“-Klage erinnert, bei der Robin Thicke und Pharrell Williams von den Nachfahren von Marvin Gaye verklagt wurden, weil dieser Song viel zu nah an „Got To Give It Up“ war. Okay, das war so ein schamloses Plagiat, dass das Urteil keine Überraschung war. Aber Pharrels anschließende Aussage über Kunstfreiheit und Inspiration kommt mir da in den Kopf. Auch wenn es im Zusammenhang mit „Blurred Lines“ kompletter Bullshit ist.

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Das alte Zitat „Good artists copy, great artists steal“, welches so ziemlich jedem, von Steve Jobs bis Pablo Picasso in den Mund gelegt wurde, war in meinen Augen schon immer nur eine faule Ausrede. „Lazy artists copy and steal, great artists create“ sollte es eigentlich heissen. Aber es wird interessant sein zu sehen, wo nach diesem Urteil die Grenze gezogen wird. Wird die Hommage-Kultur der Gegenwart in einem endlosen See aus Gerichtsverfahren enden? Oder war dies ein Einzelfall?

Lehnen wir uns mal zurück und schauen zu, was passiert.

 

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