Now we are talking! In Folge 3 löst Chris Carter erstmals sein Versprechen ein, das Publikum zu Tode zu ängstigen. Geschafft hat er das mit einem Leber fressendem Gummimann.

„Das Nest“ wurde von Glen Morgan und James Wong geschrieben, die zuvor mit der kurzlebigen Science Fiction Kriegsserie „Space: Above & Beyond“ etwas geschaffen hatten, wogegen das peinliche „Battlestar Galactica“ Remake nur noch peinlicher wirkt. Nach „Akte X“ und der so unterbewerteten wie problematischen Chris Carter Serie „Millennium“, verlagerte sich ein Teil ihrer Karriere ins Kino. Und eigentlich sollte man meinen, die Beiden hätten Talent und Fans genug um eine große Filmkarriere hinzulegen und vielleicht sogar für die 00er das zu sein, was Carpenter, Raimi, Craven und Co. für die 80er waren. Der von ihnen geschriebene und inszenierte erste „Final Destination“-Teil war auch ziemlich gut, aber es ist hart eine Karriere aufrecht zu erhalten, wenn die Nachfolgewerke u.a. das „Black Christmas“ Remake und „Dragonball: Evolution“ sind. Zur Zeit arbeiten sie an „American Horror Story“ und auch wenn ich die Serie einfach nur dämlich finde (Ja, ich disse BSG und AHS im selben Abschnitt!), sind sie zumindest nicht arbeitslos.

Denn das wäre sehr schade. „Das Nest“ ist auch 20 Jahre später eine faszinierende, kleine Horrorgeschichte. Schon der Anfang, in dem die Kamera immer weiter auf einen dunklen Gulli zufährt, bis einem schließlich klar wird, dass dort ein gruseliges Gesicht zu sehen ist, ist mehr als effektiv. Und das Konzept des ersten „Monster of the week“, ein Mann der sich in die kleinsten Ecken quetschen kann und seinen Opfern die Leber heraus reisst, verfehlt seine Wirkung nicht. Der vielleicht zweitgruseligste Moment, ist eine simple Einstellung, in der unser mutierter Leberliebhaber in voller Länge aus einem Luftschacht geschossen kommt.

Eingebettet sind diese Horrorelemente in eine erstaunlich normale Krimihandlung. Morde geschehen, ein Verdächtiger wird gefasst und Mulder versucht zu beweisen, dass er es wirklich war. Was natürlich schwierig ist, weil er scheinbar schon seit 100 Jahren mordet. Interessant ist in diesem Zusammenhang Scullys Rolle. Sie ist immer noch die Skeptikerin des Duos, aber nach nur zwei Fällen mit Mulder, hat sie schon genug gesehen um seinen Instinkten trotzdem zu vertrauen. Hinzu kommt dass ihre Loyalität ihm gegenüber schon so stark ist, dass sie sich im Zweifelsfall für seine Seite entscheidet. Vor allem wenn die andere Seite aus arroganten Arschlöchern besteht, die zwar Scullys Karriere vorantreiben könnten, beim Fälle lösen aber nichts drauf haben. (Einer von denen ist übrigens ein erstaunlich Babygesichtiger Donal Logue.)

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Eine kleine Beobachtung am Rande: Die Folge ist überraschend unblutig. Daran merkt man, wie sich die Jugenschutzstandards in den letzten Jahrzehnten verändert haben. Während hier noch alle Morde off screen geschehen, würde man heute wohl selbst im Amerikanischen Network TV bei der Leberentfernung mit der Kamera voll drauf halten oder zumindest die Leiche in voller Pracht zeigen.

Also, „Das Nest“. Das erste echte Highlight dieser Serie. Leider ist „Signale“ etwas konventioneller und mal wieder frustrierender. Die Geschichte um ein Mädchen, das vermutlich von Ausserirdischen entführt wurde und ihrem kleinen Bruder, der seitdem über den Fernseher geheimnisvolle Binärcodes empfängt, hat leider nur wenige Highlights zu bieten. Am schlimmsten ist aber, dass sich zum Ende hin ein Muster abzeichnet, das hoffentlich in den späteren Folgen nicht weiter fortgeführt wird.

Der Fall löst sich mal wieder von alleine, ohne sich aber tatsächlich zu lösen. Nach so einigem hin und her und mal mehr, mal weniger gehaltvollen Zeugen und Hinweisen, taucht das gesuchte Mädchen quasi wieder von alleine auf und weder wo sie war, noch warum ihr Bruder diese Signale empfing, bzw wer sie ihm überhaupt schickte, wird aufgeklärt. Und mal wieder sind Mulder und Scully fast schon so etwas wie unbeteiligte Beobachter in ihrer eigenen Fernsehserie. Natürlich hoffe ich, dass sich die ganzen Puzzleteile irgendwie zusammenfügen, aber dem allgemeinen Frust der Fans, sowie einem Haufen weiter Serien, die „Akte X“ nacheiferten und nur Fragen, aber keine Antworten lieferten nach zu urteilen, habe ich keine wirkliche Hoffnung.

Am Ende funktionierte diese, von „24“ Erfinder Howard Gordon mitgeschriebene Folge eigentlich nur halbwegs als Charakterepisode für Mulder. Sie bot uns keine neuen Einblicke in sein Innenleben, aber es war interessant zu sehen wie Ernst der sonst so lockere Agent werden kann, wenn es um sein eigenes Kindheitstrauma geht.

Folge 5, „Der Teufel von Jersey“, war wieder unterhaltsamer! Kein Klassiker, aber eine gute „Monster of the week“ Folge. Das Monster ist in diesem Fall der „Jersey Devil“, eine sehr populäre urbane Legende, die schon in so manchem Film ausgeschlachtet wurde. Hier lernen wir in einem Flashback ins Jahr 1947 den Ursprung der Legende kennen. Und auf etwas holprige Art lernen wir nach dem Vorspann, das was auch immer fast 40 Jahre vorher einen Familienvater in den Wald gezogen und angeknabbert hat, dies wohl heute immer noch tut.

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Leider ist diese Folge auch nicht so gut wie „Das Nest“, bietet aber unterhaltsame 40 Minuten. So sehen wir zum Beispiel Scully ausserhalb ihrer Arbeit. Sie spielt die Aufpasserin bei der überraschend alptraumhaften Geburtstagsparty ihres Patenkindes, auf der die Kinder mit Affenmasken gegen die Wand laufen und den Haushund den Kuchen ablecken lassen. Und sie geht auf ein Date mit dem Vater von einem der Affenkinder. Natürlich fliegen die Funken nicht wie erwartet, aber zumindest versucht sie es.

Der Teil um den titelgebenden „Teufel von Jersey“ ist ganz nett. Der Teufel ist kein Alptraumwesen wie Tooms und das soll er, bzw sie auch gar nicht sein. In der Tradition missverstandener Monster wie dem von Dr Frankenstein, King Kong oder dem Monster aus dem Glücks-Entchen Teich, ist es eigentlich, aller getöteter Menschen zum Trotz, nicht wirklich böse. Zumindest nicht böser, als es jedes andere Tier auf Nahrungssuche ist. Einen Bonuspunkt gibt es für die letzte Szene, die gleichermaßen als tragisches „Oh nein, das arme Ding“ und „Oh oh, das Töten geht wohl weiter“ funktioniert.

Die ersten fünf Folgen wahren erstaunlich hochwertig für erste fünf Folgen. Sie waren zwar auch nicht wirklich unproblematisch, aber es gibt nur wenige Serien, die vor Mitte der ersten oder sogar erst zweiten Staffel wirklich gut werden. Im direkten Vergleich hat „Akte X“ z.B. einen deutlich besseren Start hingelegt als etwa „Star Trek TNG“, „Farscape“ oder „Phineas & Ferb“, um drei wirklich gute Serien heranzuziehen, die am Anfang nicht wirklich überzeugen konnten. Trotzdem wünschte ich mir öfter einen klaren Abschluss der Geschichten, anstelle des „Nun ist Ende und wir verraten nicht, was wirklich passierte“, das wir jetzt schon so oft serviert bekamen. Schauen wir mal, auf welchem Niveau es weiter geht.

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