Tremors 5: Bloodlines (Filmkritik)

Die „Tremors“ Reihe hat in meinem Herzen einen besonderen Platz. Angefangen hat es 1990 oder 1991, als mein 8 oder 9 Jahre altes Ich in diversen Videothekenfenstern die Plakate für einen Film namens „Im Land der Raketenwürmer“ hängen sah. Wie vielleicht jedes Kind, war ich mehr oder weniger fasziniert von Horrorfilmen, allerdings war ich auch oft zu feige um sie mir anzusehen. Und diese Raketenwürmer fand ich in dem Alter schon

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„Oh nein, Raketenwürmer! Wie gruselig!“

ziemlich gruselig. Es hat also eine Weile gedauert, bis ich mir den Film angesehen hatte. Und er war gut! Es war sogar der letzte Film, den ich mir damals noch auf VHS kaufte.

Wie alle guten Horrorkomödien, nahm „Tremors“ den Horror-Teil der Handlung ernst und bezog seinen Humor aus den Charakteren, bzw. der Art und Weise, auf die sie mit der Bedrohung umgehen. Und diese Mischung aus Monsterattacken und lockerem Humor mit leicht absurdem Touch, zog sich durch die gesamte Filmreihe. Teil 2 kann man sogar durchaus als eines der besten DTV Sequels aller Zeiten bezeichnen! Und Teil 3 ist trotz einiger Längen und eines deutlich geringerem Budgets auch wirklich gut. Vor allem war es ein nettes Geschenk an die Fans, den Großteil aller Charaktere aus dem ersten Teil nach 10 Jahren wieder zurückzubringen! Teil 4 war dann allerdings auch der Tiefpunkt der Reihe. Das im Wilden Westen spielende Prequel klang auf dem Papier bestimmt besser, als es in der Realität war. Bis zum spaßigen Finale, konnte noch nicht mal Billy Drago als knallharter Revolverheld für Unterhaltung sorgen.

Nun gibt es also den fünften Teil der Reihe, namens „Bloodlines“. Natürlich sind die Erwartungen verhältnismäßig niedrig. Nicht nur weil der letzte Teil 11 Jahre zurück liegt und wie erwähnt nicht besonders gut war, sondern auch weil Brent Maddock und S.S. Wilson, die bisher für jeden Teil das Drehbuch schrieben und/oder Regie führten, nicht mal als Produzenten dabei sind und weil der Regisseur Don Michael Paul dank Filmen wie „Half Past Dead“, „Lake Placid 4“, „Who’s Your Caddy“ oder „Jarhead 2“ wenig Vertrauen erweckt. (Aktuell dreht er „Kindergarten Cop 2“ mit Dolph Lundgren. Nein, im Ernst!) Zum Glück ist das Resultat dann aber doch ganz sehenswert.

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Natürlich ist Burt Gummer (Michael Gross), der wie einst Inspektor Clouseau oder Urkel vom Nebencharakter zum Gesicht und Mittelpunkt der Serie aufstieg, wieder die Hauptperson.

Die Liga der ehemaligen Nebenfiguren
Die Liga der ehemaligen Nebenfiguren

Zur Zeit dreht er eine Reality Show, in der er als Survivalist Tips zum Überleben in der Wildnis vorträgt und seine selbstgemachte Kaktussoße an den Mann zu bringen versucht. Auf diese Weise bekommen wir als Zuschauer gleich noch eine rasante und unterhaltsame Erklärung, was Graboiden eigentlich sind, sowie eine Zusammenfassung ihres Lebenszyklus. Nur für den Fall, dass jemand ohne Vorkenntnisse oder mit schlechtem Gedächtnis zusieht. Und gerade als er den nervigen Kameramann Travis (Jamie Kennedy) aufgezwungen bekommt, soll er nach Afrika fliegen um dort frisch aufgetauchten Würmern den Garaus zu machen.

Was folgt ist durchaus sehenswert, bietet aber nicht wirklich neues für Menschen, die schon alle vorherigen Teile verschlungen haben. Abgesehen von der natürlich viel höheren Anzahl an schwarzen Einwohnern und dem kurzen Auftauchen eines Löwens, ist die neue Afrika Location optisch nicht wirklich anders als Nevada, bzw Mexiko in den vorherigen Teilen. Trotzdem haben die Macher einen ganz guten Grund gefunden, warum Teil 5 gerade hier spielen soll. Die Afrikanischen Graboiden unterscheiden sich in so einigen Dingen von den Nordamerikanischen. Ohne zuviel verraten zu wollen, aber man ist in Afrika auf einem Felsen nicht so sicher wie man meint. Und die neu designten Ass-Blaster sind sogar erstaunlich gruselig anzusehende Viecher. Nur dass diese Graboiden viel größer sein sollen, halte ich für ein Gerücht. Auf mich wirkten sie zumindest gleichgroß.

Die Monsterangriffe sind diesmal die tatsächlichen Highlights. Die Effekte sind für eine DTV Produktion erstaunlich solide und zwei Szenen machen den Film schon alleine sehenswert. Die Eine ist eine nächtliche Begegnung auf einer Brücke, die zwar etwas kurz ist und irgendwie etwas schwach endet, aber dafür eine der spannendsten Szenen der Reihe ist. Die Zweite ist eine etwas offensichtliche, aber sehr gut gemachte Hommage an die berühmte Küchenszene aus „Jurassic Park“. Dagegen stinkt das Finale leider etwas ab. Ich würde es nicht als langweilig bezeichnen, aber schon alleine weil darin ein Kind gerettet werden muss und „Tremors“ nie eine Serie war in der Kinder sterben, geht so einiges an Spannung verloren. Zudem ist das Kind nur deshalb in Gefahr, weil der IQ von dessen Mutter, die zuvor durchaus die Starke-und-intelligente-Frauen-Quote mit Bravour erfüllte, plötzlich auf das Niveau eines „Walking Dead“-Charakters fällt.TWDoof

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Wo wir gerade von merkwürdigem Charakterverhalten sprechen: Es gibt eine Szene, die mir tatsächlich etwas sauer aufstieß. Darin stirbt ein Nebencharakter auf eine Weise, die offensichtlich witzig gemeint ist, aber abgesehen davon, dass das ganze inszenatorische Timing in dieser Szene irgendwie neben der Spur läuft, kommt Burt dort wie ein kaltherziger Psychopath rüber. Das Opfer stirbt zum Teil durch Burts Schuld und er versuchte ihn weder durch ein „Aus dem Weg!“ oder „Pass auf!“ zu retten, sondern zeigt auch nach dessen Tod keine sichtbare Reaktion. Versteht mich nicht falsch. Burt war schon immer ein knallharter Mistkerl und der Verstorbene war ein Arschloch. Aber a.) war Burt nie ein eiskalter Killer (zumindest was Menschen angeht) und b.) war das Opfer nicht so ein Arschloch. Niemand von der Sorte, bei der man sich wünscht, dass es ihn so erwischt.

Ohnehin fühlt sich der Humor in „Bloodlines“ etwas gezwungen an. Die Lockerheit der Vorgänger erreichen die Gags bei weitem nicht und wenn die größten Lacher von den Spitznamen kommen, die Travis Burt immer gegen seinen Willen verpasst, merkt man, dass der Film ein Problem hat. Aber es ist die Chemie zwischen Michael Gross und Jamie Kennedy, den man hierzulande vielleicht am besten aus den „Scream“-Filmen kennt, die „Tremors 5“ einen dicken Pluspunkt einbringt. Sollte es einen sechsten Teil geben, darf Kennedy gerne wieder dabei sein. Aber nur im Doppelpack mit Gross. Als einzelner Charakter, ist Travis nicht wirklich interessant genug.

Letztendlich ist „Tremors 5: Bloodlines“ ein guter Beitrag zur Reihe. Nicht so gut wie man ihn sich gerne gewünscht hätte, aber auch nicht so schlecht wie erwartet. Auch wenn das jetzt nach einem zweifelhaftem Kompliment klingt, aber wenn die weiteren Teile mindestens dieses Qualitätslevel erreichen, bin ich als Fan zufrieden genug.

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